Presseinformationen

 

Nachlese 2016:
68. DGU-Kongress meistert Qualitätsoffensive

Leipzig. Qualitätsindikatoren werden im deutschen Gesundheitswesen bekanntlich händeringend gesucht. Für die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) gelten eigene: Volle Säle, zufriedene Urologinnen und Urologen sowie eine gute Presse. Erfüllt hat der 68. Kongress der Fachgesellschaft sie alle, denn DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller hatte nicht nur das Motto seines Kongresses dem Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin gewidmet - er hat auch Qualität geliefert. Rund 6300 Besucher konnten sich vom 28. September bis 1. Oktober 2016 im bekannt modernen Ambiente des Congress Centers Leipzig (CCL) davon überzeugen.

Die Leipziger Qualitätsoffensive „made“ beim Berliner Kongress-Team startete bereits mit einem generalüberholten Kongress-Mittwoch, der sich durch ein hochkarätiges Programm einschließlich vieler relevanter Foren und vor allem durch die ersten Live-Operationen auf einem DGU-Kongress auszeichnete. Möglich wurde der „Surgery Day“ dank des besonderen Einsatzes des Direktors der Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig, Prof. Dr. Jens-Uwe Stolzenburg, der unter den Augen der im CCL versammelten Fachöffentlichkeit eine roboter-assistierte Nierenteilresektion durchführte. Andere renommierte Operateure reisten mit ihren Teams in Sachsens größter Stadt an, um live aus dem Klinikum Leipzig vor Ort im CCL innovative Op-Techniken zu demonstrieren – eine Neuheit, die bei den Kongressteilnehmern außerordentlich gut ankam. 

Dass sich für einige Besucher und Referenten die Anreise aufgrund eines Polizeieinsatzes wegen einer Bombendrohung am nahegelegenen Bahnhof Leipzig Messe außergewöhnlich schwierig gestaltete, bleibt unruhigen Zeiten geschuldet. Der Kongressfahrplan mit seinem mehr als 160 Sitzungen starken wissenschaftlichen Programm jedenfalls lief alsbald wieder rund, und Kongressfotograf Bertram Solcher hatte bereits am Mittwoch viel zu dokumentieren und am Ende des Tages 14 Kilometer auf seinem Schrittzähler. Ungezwungene Entspannung war schließlich am Eröffnungsabend in den urigen Gemäuern der Moritzbastei, dem einzigen erhaltenen Teil der Stadtbefestigung von Leipzig, angesagt. 

„Eine Überdosis Ökonomie“ diagnostizierte Kongress-Präsident Prof. Kurt Miller im gegenwärtigen Gesundheitssystem und appellierte im Eröffnungsplenum angesichts falscher Anreize durch das DRG-System an die Politik den ökonomischen Druck zu entschärfen. In klaren Worten forderte der Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik Charité, Universitätsmedizin Berlin, definierte Personalsressourcen ein, aber auch den Mut, im Sinne des Patienten das Richtige zu tun - was durchaus weniger bedeuten könne. 

Feierliche Dankesworte fand DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg anlässlich der Verleihung des Felix Martin Oberländer-Preises an Prof. Dr. Maurice-Stephan Michel für dessen Verdienste um den Aufbau der Akademie der Deutschen Urologen, bevor er in Ermangelung von Anne Will die Leitung einer illustren Talkrunde zum Thema Ökonomie und Qualität in der Medizin übernahm. Auch dieses Format hatte es in einem Eröffnungsplenum eines DGU-Kongresses bisher nicht gegeben. Dass die Herren Prof. Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher, Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit, der ehemalige Gesundheitsweise Professor Matthias Schrappe und Prof. Dr. Björn Volkmer aus dem DGU-Arbeitskreis Versorgungsforschung, Qualität und Ökonomie vor vollem Saal kontroverse Meinungen vertraten, war wenig überraschend. 

Nach dem offiziellen Auftakt nahm Deutschlands, wie üblich hoch professionell von Veranstalter Interplan organisierte, wichtigste Wissenschafts-  und Fortbildungs-Plattform volle Fahrt auf. Insgesamt 1316 Vortragende referierten auf der weltweit drittgrößten urologischen Fachtagung, auf der erstmals auch sogenannte Overflows zum Einsatz kamen, die sich als Übertragungsbereiche für überfüllte Säle entpuppten. Wer aufgrund von Überschneidungen ein wichtiges Forum verpasst hatte, konnte zudem in der „Virtual Meeting Area“ in Halle 2 Aufzeichnungen des Versäumten nutzen. Dieser Service ist übrigens von dauerhafter Natur und unter „neudeutsch“ dgu on demand auf der Kongress-Homepage zu finden.

Traditionell wurde auch die 68. Jahrestagung der Fachgesellschaft von einer umfangreichen Industrieausstellung begleitet, auf der sich die DGU mit einem großen Stand sowie einer neuen Info-Wand präsentierte und die historische Ausstellung vor dem Hintergrund ihrer 110-jährigen Geschichte den Nobelpreiskandidaten sowie Nobelpreisträgern für Medizin oder Physiologie aus dem Fachgebiet der Urologie widmete. Der angeschlossene Pflegekongress stieß mit mehr als 800 Besuchern wieder auf großes Interesse.

DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing, der unter Einsatz eines Rollers die Weiten des CCL zeitnah bezwang, begrüßte die zahlreich erschienen Journalisten ebenfalls am Kongress-Donnerstag pünktlich zur DGU-Eröffnungs-Pressekonferenz. Dort sprach sich die DGU erneut für einen leitlinienkonformen Einsatz des PSA-Testes auf der Grundlage einer informierten Patientenentscheidung zur Früherkennung von Prostatakrebs aus. Aufgrund der neuen Datenlage bedürfe es vor allem in der Öffentlichkeit einer Revision des Negativ-Images des Testes, sagte DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg. Eine hohe Gesamtzufriedenheit und kontinuierlich steigende Nutzerzahlen attestierte PD Dr. Dr. Johannes Huber aus der Leitungsgruppe der PatientenAkademie der Deutschen Urologen der neuen internetbasierten „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“. Über die Etablierung der robotor-assistierten Nierenlebendtransplantation und den endgültigen Entwurf einer Lebendspenderichtlinie berichtete der 2. Vizepräsident der DGU, Prof. Dr. med. Paolo Fornara. Letztere werde eine eklatante Lücke schließen, da Deutschland europaweit das einzige Land sei, das bisher über keine Richtlinie bei der Lebendspende verfüge. Die meisten lokalen aber auch bundesweiten Schlagzeilen generierte im Nachhinein der PSA-Test. Insgesamt freut sich die Pressestelle über eine sehr erfolgreiche Berichterstattung rund um den 68. DGU-Kongress, die dank insgesamt 130 auf dem Kongress akkreditierter Journalisten in der Fachpresse noch längst nicht abgeschlossen ist. Mit dem Medienpreis Urologie 2016 zeichnete die DGU vor Ort die Wissenschaftsjournalistin Franziska Lehnert aus Boppard für ihren Artikel „Observieren oder operieren“ im FOCUS Magazin aus.

Polizeiliche Maßnahmen rund um Jena mit entsprechenden Umleitungen und Staus hinderten übrigens einige Kollegen und Kolleginnen an der Teilnahme an der Pressekonferenz. Dass am Donnerstag im Leipziger Zoo überdies auch noch die Löwen los waren, blieb glücklicherweise ohne Auswirkungen auf das Kongressgeschehen, das seinen „Hauptkampftag“ mit der DGU-Mitgliederversammlung schloss. Von dort gab es aufgrund turnusgemäßer Neu-Wahlen wichtige Personalien zu vermelden: Als 2. Vizepräsident wurde Prof. Dr. Oliver Hakenberg gewählt. Seine Nachfolge im Amt des DGU-Generalsekretärs tritt Prof. Dr. Maurice-Stephan Michel an. Schatzmeister PD Dr. Jan Lehmann wurde in seinem Amt für weitere zwei Jahre bestätigt, ebenso wie Prof. Dr. Jan Roigas im Vorstandsressort Wissenschaft und Praxis. Die Nachfolge von Prof. Dr. Axel Haferkamp im Vorstandsressort Fort- und Weiterbildung tritt Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm an. Aufgrund einer Änderung der DGU-Satzung wurde der Vorstand um ein Mitglied aus dem Kreise der niedergelassenen Urologen erweitert und Dr. Thomas Speck aus Berlin in das Gremium gewählt.

Mit einem vollem Plenarsaal zu Paradigmenshifts in der Onkologie startete der Kongress-Freitag. Gespickt war das zweite Kongress-Plenum mit der Vergabe höchster Ehren: Kongresspräsident Prof. Miller verlieh die Maximilian Nitze-Medaille an Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan C. Müller und zeichnete Dr. Tilman Todenhöfer mit dem Maximilian Nitze-Preis aus. Engagierte Diskussionen prägten das Berufspoltische Forum von DGU und BDU, das mit dem Antikorruptionsgesetz ein Thema aufgriff, das die Ärzteschaft derzeit wie kaum ein anderes bewegt. Die Präsentation der S3-Leitlinie zum Harnblasenkrebs setzte einen weiteren Höhepunkt des Kongresses, auf dem überdies die druckfrische Patientenleitlinie zum Nierenzellkrebs vorgestellt und mit dem „Praxistrack“ ein neues Format mit Sitzungen ausgesuchter Themen von Niedergelassenen für Niedergelassene eingeführt wurde. Gleichzeitig bestritt das GeSRU-Team am Freitag erneut einen erfolgreichen Schülertag, auf dem 100 Oberstufenschülerinnen  und -schüler die Welt der Urologie kennenlernen durften. Auch die Journalisten kamen noch einmal zum Zuge und hatten im Pressegespräch mit Prof. Wülfing Gelegenheit zur Hintergrundrecherche.

Keine Frage, dass auf dem DGU-Abend im Leipziger Kohlrabizirkus nach einem Exkurs von Dr. Eckart von Hirschhausen in die Welt des Humors und zwei erlesenen Ehrungen wieder heftig gefeiert, und diesmal nachweislich ein Paar Damenschuhe durchgetanzt, wurde. Geehrt wurden Prof. Dr. Bernd Wullich mit dem Ritter von Frisch-Preis sowie Prof. Dr. Oliver Hakenberg mit dem Preis des Präsidenten. Ein musikalischer Dank von Uroband-Urgestein Prof. Dr. Jens Rassweiler galt dem Kongresspräsidenten selbst und offenbarte mithilfe einiger Videoeinspieler unvermutet kabarettistische Qualitäten des jungen Kurt Miller. 

Den letzten Teil seiner Qualitätsoffensive meisterte Prof. Miller mit einem im O-Ton „entkernten Samstag“, als ein weitgehend konkurrenzloses, zweigeteiltes Abschlussplenum den Saal füllte und den Besuchern aktuelle Botschaften aus allen Kerngebieten der Urologie auf den Weg gab. Derweil informierten sich rund 80 Besucher auf dem Patientenforum im CCL über Harninkontinenz, die Entscheidungshilfe Prostatakrebs und über die Prävention urologischer Erkrankungen.

Gewohnt souverän und schnörkellos blickte der Kongresspräsident bei der Amtsübergabe an den bisherigen 1. Vize-Präsidenten Prof. Dr. Tilmann Kälble schließlich auf „eine runde Sache“ zurück. Soviel Understatement blieb selbstverständlich nicht unwidersprochen. Vielmehr attestierte der neue Präsident dem scheidenden Amtsträger bei aller Lockerheit und Coolness intensive Detailarbeit und Kreativität, die große Fußspuren hinterlasse. Apropos Spuren: Ebendiese setzte die 68. DGU-Jahrestagung schlussendlich auch in den sozialen Netzwerken, denn nach zähem Gezwitscher im Vorfeld waren Urologinnen und Urologen auf und nach dem Kongress auf Twitter und Co. aktiv wie nie – und bewiesen ihrem Berliner DGU-Präsidenten mit weit über 1000 Tweets, dass sie offenbar doch reif für die Neuen Medien sind!

Neue Ziele hat Prof. Dr. Tilmann Kälble bereits gesteckt: Der amtierende DGU-Präsident und Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Klinikum Fulda will in der Amtsperiode 2016/2017 die Urologie als Marke etablieren und lädt unter dem Motto „Urologie: Für alle. Für jeden. Für uns.“ zur 69. Jahrestagung der Fachgesellschaft vom 20. bis 23. September 2017 nach Dresden ein.

Urologen beenden heute 68. Jahrestagung in Leipzig

Leipzig. Starke Präsenz zeigte die Urologie in dieser Woche in Leipzig: Mehr als 6300 internationale Teilnehmer besuchten den 68. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 28. September bis zum 1. Oktober 2016. Deutschlands wichtigste und die weltweit drittgrößte urologische Wissenschafts- und Fortbildungs-Plattform unter der Leitung von DGU-Präsident Prof. Dr. med. Kurt Miller stand unter dem Motto „Ökonomie – Medizin – Qualität“ und schließt heute ihre Pforten im Congress Center Leipzig (CCL).

Der Versorgungsauftrag der Urologen ist groß: Sie behandeln Frauen, Männer und Kinder; sie versorgen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland und Volksleiden wie Inkontinenz und Harnsteinerkrankungen. Entsprechend umfangreich war die Bandbreite der mehr als 160 Sitzungen des wissenschaftlichen Programms. In den aktuellen Fokus rückten in Leipzig die Immuntherapie beim Nieren- und Blasenkrebs sowie die Bildgebung beim Prostatakarzinom. Präsentiert wurden die erste ärztliche S3-Leitlinie „Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms“ sowie die Patientenleitlinie zur 2015 veröffentlichten ärztlichen S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Nierenzellkarzinoms“. Zahlreiche Kongress-Foren galten dem Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin. „Qualität und damit Kompetenz etwa im Rahmen von UroEvidenz, des Zweitmeinungsprojektes Hodentumor oder der Versorgungsforschung zu evaluieren und zu demonstrieren, ist ein Weg aus dem Dilemma und Aufgabe unserer Fachgesellschaft“, resümiert Prof. Dr. med. Miller.

„Mit Blick auf unsere onkologischen Patienten freuen wir uns, dass wir hier in Leipzig mit dem neuen interaktiven Beratungsportal ‚Entscheidungshilfe Prostatakrebs’ und der Patientenleitlinie zum Nierenzellkarzinom zwei wichtige neue Projekte einer breiten Öffentlichkeit haben vorstellen können“, sagt der vor Ort neu gewählte DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Maurice Stephan Michel zum Abschluss des DGU-Kongresses.

Die Besucher des Patientenforums der PatientenAkademie der Deutschen Urologen informierten sich im CCL über aktuelle Behandlungsmethoden bei Blasenschwäche, die „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ sowie über Prävention und Früherkennung urologischer Erkrankungen. Die Aktion „Werde Urologe/Urologin für einen Tag“ nutzten rund 100 Leipziger Oberstufenschüler und -schülerinnen zur Berufsorientierung.

Den angeschlossenen Pflegekongress für die urologischen Pflege- und Assistenzberufe besuchten mehr als 800 Teilnehmer. Auf der begleitenden Industrieausstellung konnten die Kongressteilnehmer neueste Produkte aus der Pharmazie und der Medizintechnik kennenlernen.  

Personalien vom 68. DGU-Kongress: Mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., der Maximilian Nitze-Medaille für besondere Verdienste für das Fach Urologie, wurde Prof. Dr. med. Dr. h.c. Stefan C. Müller aus Bonn geehrt. Dr. med. Tilmann Todenhöfer aus Tübingen erhielt mit dem Maximilian Nitze-Preis die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Fachgesellschaft. 

Mit dem Medienpreis Urologie 2016 zeichnete die DGU die Wissenschaftsjournalistin Franziska Lehnert aus Boppard für ihren Artikel „Observieren oder operieren“ im FOCUS Magazin aus.

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen auf der Mitgliederversammlung hat sich der DGU-Vorstand in Leipzig neu aufgestellt: Als 2. Vizepräsident wurde Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, Rostock, gewählt. Seine Nachfolge im Amt des DGU-Generalsekretärs tritt Prof. Dr. med. Maurice Stephan Michel, Mannheim, an. Schatzmeister PD Dr. med. Jan Lehmann, Kiel, wurde ebenso im Amt bestätigt wie Prof. Dr. med. Jan Roigas, Berlin, im Vorstandsressort Wissenschaft und Praxis. Die Nachfolge von Prof. Dr. med. Axel Haferkamp, Mainz, im Vorstandsressort Fort- und Weiterbildung tritt Prof. Dr. med. Marc-Oliver Grimm, Jena, an. Zudem wurde der DGU-Vorstand um ein Mitglied aus dem Kreis der niedergelassenen Urologen erweitert und Dr. med. Thomas Speck, Berlin, neu in das Gremium gewählt.

Der 68. DGU-Kongress endete mit der traditionellen Präsidentschaftsübergabe: Prof. Dr. med. Kurt Miller, Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik Charité, Universitätsmedizin Berlin, übergab das Amt des Präsidenten für die Amtsperiode 2016/2017 turnusgemäß an den bisherigen Vizepräsidenten, Prof. Dr. med. Tilmann Kälble, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Klinikum Fulda. Damit rückt Prof. Dr. med. Paolo Fornara, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Halle (Saale) zum 1. DGU-Vizepräsidenten auf.

In seiner Funktion als neuer DGU-Präsident wird Prof. Dr. med. Tilmann Kälble die 69. Jahrestagung der Fachgesellschaft vom 20. bis 23. September 2017 in Dresden leiten.

Strukturreform und Modernisierung des BDU schreitet voran:
„Servicegesellschaft der Deutschen Urologen“ aus der Taufe gehoben

Berlin, 30. September 2016. Im Rahmen des 68. Fachkongresses der Urologen in Leipzig hat der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) e.V. die Gründung der „Servicegesellschaft der Deutschen Urologen mbH“ auf den Weg gebracht. Ein neues Kapitel als moderner und attraktiver Berufsverband für die urologische Fachärzteschaft in Klinik und Praxis wird damit aufgeschlagen. „Mit dieser Servicegesellschaft reagieren wir als verantwortungsbewusster Berufsverband auf die aktuellen Veränderungen der Rahmenbedingungen für angestellte und niedergelassene Fachärzte in der Zusammenarbeit mit Gesundheitswirtschaft und Kliniken“, erläutert der Präsident des Berufsverbands, Dr. Axel Schroeder. Mit der neuen Servicegesellschaft wird eine einheitliche, klar strukturierte, transparente und für alle Seiten rechtssichere Kooperationsplattform geschaffen.

In dieser Gesellschaft mit Sitz in Berlin werden zukünftig sämtliche Service-, Beratungs- und Vertragsleistungen des Berufsverbandes gebündelt und für seine Mitglieder bereitgestellt. Das Leistungsspektrum wird hierbei auch mit klarem Blick auf die Belange der urologischen Patienten und Patientinnen kontinuierlich ausgebaut. Es bietet sich gleichzeitig eine breite Palette von Kooperationsmöglichkeiten für interessierte Vertragspartner im ambulanten und stationären Sektor der Urologie. „Die Anforderungen und Erwartungen an einen dienstleistungsorientierten und innovativen Berufsverband sowie starken Vertragspartner für die Wirtschaft ändern sich derzeit massiv. Aus diesem Grund stellt der BDU mit der Servicegesellschaft seine wirtschaftlichen Aktivitäten auf eine neue flexible und handlungsfähige Grundlage“, so der BDU-Geschäftsführer Dr. Roland Zielke.

Wichtige Themen wie umfangreiche Fort- und Weiterbildungsangebote, Vertrags- und Veranstaltungsmanagement, Sponsoring und Rabattverträge für die Verbandsmitglieder werden im Fokus der Servicegesellschaft liegen.

Aktuelles vom 68. Urologen-Kongress in Leipzig

Leipzig. Ob PSA-gestützte Früherkennung, Leitlinien oder Personalien: Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) startete ihre 68. Jahrestagung, die vom 28. September bis 1. Oktober 2016 im Congress Center Leipzig (CCL) stattfindet mit einer Reihe von Neuigkeiten.

Im Eröffnungsplenum bot DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Kurt Miller gestern eine Runde prominenter Gäste aus dem Gesundheitswesen auf, darunter der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Prof. Josef Hecken, die über das Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin diskutierten. 

Auf der gestrigen Eröffnungs-Pressekonferenz sprach sich die DGU erneut für einen leitlinienkonformen Einsatz des PSA-Testes auf der Grundlage einer informierten Patientenentscheidung zur Früherkennung von Prostatakrebs aus. Aufgrund der neuen Datenlage bedürfe es vor allem in der Öffentlichkeit einer Revision des Negativ-Images des Testes, so Prof. Dr. Oliver Hakenberg. „Noch in diesem Jahr wird es einen Antrag beim G-BA geben, den PSA-Test als GKV-Leistung anzubieten“, sagte der DGU-Generalsekretär. Eine hohe Gesamtzufriedenheit und kontinuierlich steigende Nutzerzahlen attestierte PD Dr. Dr. Johannes Huber aus der Leitungsgruppe der PatientenAkademie der Deutschen Urologen der neuen internetbasierten „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“. Über die Etablierung der robotor-assistierten Nierenlebendtransplantation und den endgültigen Entwurf einer Lebendspenderichtlinie berichtete der 2. Vizepräsident der DGU, Prof. Dr. med. Paolo Fornara. Letztere werde eine eklatante Lücke schließen, da Deutschland europaweit das einzige Land sei, das bisher über keine Richtlinie bei der Lebendspende verfüge.

Pünktlich zum Kongress wird auch die neue S3-Leitlinie „Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms“ publiziert. Einblicke gibt die Fachgesellschaft am heutigen Tag in einem Vortragsforum und in einer gemeinsamen Pressemitteilung von DGU und Deutscher Krebsgesellschaft.

Druckfrisch präsentiert wird auf dem DGU-Kongress die erwartete Patientenleitlinie zur 2015 veröffentlichten ärztlichen S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Nierenzellkarzinoms“.

Von der gestrigen DGU-Mitgliederversammlung sind aufgrund turnusgemäßer Neu-Wahlen einige Personalien zu vermelden: Als 2. Vizepräsident für die Amtsperiode 2016/2017 und damit als 1. Vizepräsident für die Amtsperiode 2017/2018 und nachfolgend als Präsident für die Amtsperiode 2018/2019 wurde Prof. Dr. Oliver Hakenberg, Rostock, gewählt. Seine Nachfolge im Amt des DGU-Generalsekretärs tritt Prof. Dr. Maurice Stephan Michel, Mannheim, an. Schatzmeister PD Dr. Jan Lehmann, Kiel, wurde in seinem Amt für weitere zwei Jahre bestätigt, ebenso wie Prof. Dr. Jan Roigas, Berlin, im Vorstandsressort Wissenschaft und Praxis. Die Nachfolge von Prof. Dr. Axel Haferkamp, Mainz, im Vorstandsressort Fort- und Weiterbildung tritt Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, Jena, an. Aufgrund einer Änderung der DGU-Satzung wurde der Vorstand um ein Mitglied aus dem Kreise der niedergelassenen Urologen erweitert und Dr. Thomas Speck, Berlin, in das Gremium gewählt.

68. Urologen-Kongress startet heute in Leipzig mit Live-Operationen

Leipzig. Mit Live-Übertragungen urologischer Operationen aus dem Klinikum Leipzig startet heute die 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) im Congress Center Leipzig (CCL). Vom 28. September bis zum 1. Oktober 2016 werden über 7000 internationale Teilnehmer zur weltweit drittgrößten urologischen Fachtagung unter der Leitung von DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller erwartet. Mit dem diesjährigen Kongressmotto „Ökonomie – Medizin – Qualität“ thematisiert die DGU einen Brennpunkt im deutschen Gesundheitswesen. Im Fokus des über 100 Veranstaltungen starken Wissenschaftsprogramms stehen die Uroonkologie, da Urologen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland behandeln, und Volksleiden wie Harnsteinerkrankungen und Inkontinenz, die gutartige Prostatavergrößerung und die erektile Dysfunktion.

Journalisten sind herzlich im CCL willkommen, die heutigen Live-Operationen aus dem Klinikum Leipzig zu verfolgen: Zum Beispiel wird der Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig, Prof. Dr. Jens-Uwe Stolzenburg, unter den Augen der im CCL versammelten Fachöffentlichkeit eine roboter-assistierte Nierenteilresektion durchführen. 

„Ich freue mich, im Eröffnungsplenum prominente Gäste aus dem Gesundheitswesen wie den Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Prof. Josef Hecken, begrüßen zu können und mit ihnen Wege aus dem Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin zu diskutieren“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Miller. Zahlreiche Veranstaltungen im Kontext des Kongressmottos werden die Debatte im Verlaufe der Tagung vertiefen.

Unter dem Dach der DGU-Jahrestagung findet in bewährter Form ein Pflegekongress für die urologischen Assistenz- und Pflegeberufe statt. Auf der begleitenden Industrieausstellung im CCL  stellen rund 180 Unternehmen innovative Medizinprodukte und -technik vor. Auch 2016 würdigt die DGU verdiente Autoritäten ihres Faches und vergibt eine Reihe wissenschaftlicher Preise. Der mit 2500 Euro dotierte Medienpreis Urologie wird zum dritten Mal verliehen. Ihre traditionelle historische Ausstellung widmet die DGU vor dem Hintergrund ihrer 110-jährigen Geschichte als Fachgesellschaft den Nobelpreiskandidaten sowie Nobelpreisträgern für Medizin oder Physiologie aus dem Fachgebiet der Urologie.

Dem medizinischen Nachwuchs von übermorgen gilt die Aktion „Werde Urologin/Urologe für einen Tag“, mit der die Fachgesellschaft Leipziger Oberstufenschülerinnen und -schülern am 30. September 2016, 08.00 bis 12.00 Uhr, eine außergewöhnliche Gelegenheit zur Berufsorientierung gibt. Rund 80 Schülerinnen und Schüler werden auf dem DGU-Kongress die Welt der Medizin kennenlernen. 

Überdies sind die Leipziger eingeladen, sich auf einem kostenfreien Patientenforum am 1. Oktober 2016, 10.30 bis 12.00 Uhr, in Saal 5 des CCL zu informieren. Experten der DGU klären über Harninkontinenz und die Prävention urologischer Erkrankungen und Früherkennungsuntersuchungen für Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder auf und stellen mit der „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ ein neues Online-Beratungsportal vor. 

Alle Veranstaltungen des 68. DGU-Kongresses sind online auf dem iplanner auf der Kongress-Webseite (www.dgu-kongress.de) einzusehen, mit dem auch die Medienvertreter ihren Besuch auf dem Kongress komfortabel planen können: Allen voran die morgige DGU-Pressekonferenz am 29. September 2016, 13.00 bis 14.30 Uhr im Congress Center Leipzig, Raum 11, Ebene 2. Das traditionelle Pressegespräch findet am Freitag, 30. September, 13.00 bis 14.00 Uhr, Raum 9/ Ebene 2, 3.OG statt.

BDU-Präsident Schroeder: „Deutschlands Fachärzte haben klare Forderungen an die Politik“

Berlin, 25.09.2016. Als Dachverband von 27 fachärztlichen Berufsverbänden repräsentiert der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) rund 150.000 Fachärzte in Klinik und Praxis. Mit der Agenda „Facharzt 2020“ hat die Phalanx der deutschen Fachärzte im Rahmen ihrer jüngsten Mitgliederversammlung nun ein Grundsatzpapier zur Zukunft der fachärztlichen Versorgung in Deutschland verabschiedet. „Wir haben fachübergreifend die Weichen für die Versorgung von morgen gestellt und senden mit unseren Forderungen ein starkes Signal an die Politik“, sagt der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. (BDU), Dr. med. Axel Schroeder, in seiner Funktion als 2. Vorsitzender des SpiFa.

Die Agenda für die Fachärzte in Deutschland bis 2020 soll in erster Linie die fachärztliche Versorgung in Klinik und Praxis gewährleisten, wobei die Lebensqualität der Menschen oberster Handlungsmaßstab ist. Dafür haben der SpiFa und seine Mitgliedsverbände wie der BDU nachfolgende zwölf Forderungen aufgestellt:

+ Erhalt und Stärkung der freiberuflichen Tätigkeit des Arztes,
+ Niederlassungsfreiheit für Fachärzte,
+ Bekenntnis zur gemeinsamen fachärztlichen Versorgung in Klinik und Praxis,
+ Stärkung der sektorenübergreifenden Verbundweiterbildung,
+ eine überarbeitete Referenzgebührenordnung für Ärzte (GOÄ),
+ Wahlfreiheit der Versicherten durch Dualität von GKV und PKV,
+ Versorgungsverbesserung durch die Kombination von Kollektiv- und Selektivverträgen,
+ Etablieren einer liberalen Wettbewerbsordnung,
+ Sinnvolle Steuerung der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen,
+ Neuordnung der Sektorengrenzen und Sicherung der Innovationsfähigkeit innerhalb des Gesundheitswesens,
+ Ausbau von IT-Strukturen und digitaler Prozesse zur Unterstützung des Arztes, sowie
+ eine Reform der ärztlichen Selbstverwaltung innerhalb der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

„Mit der Umsetzung dieser Forderungen werden wir zukünftig die fachärztliche Versorgung sichern und Bedingungen schaffen, in denen sich auch die neue Generation der Urologen und deren Wunsch nach einer gesunden ‚Work-Life-Balance‘ wiederfindet“, bewertet BDU-Präsident Dr. med. Axel Schroeder diesen gemeinsamen Erfolg des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. und des SpiFa e.V. Nicht zuletzt bedürfe es attraktiver Perspektiven, um medizinischen Nachwuchs zu generieren und weiterhin auch junge Menschen für den Facharzt/die Fachärztin für Urologie zu begeistern. 

Die SpiFa-Agenda „Facharzt 2020“ ist auf der Homepage des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (www.bdu-urologie.de) einzusehen.

Großer Relaunch des Urologenportals:
Gemeinsame Internetpräsenz von DGU und BDU mit vielen Neuerungen

Düsseldorf/Berlin. Das Urologenportal präsentiert sich in neuer Version: Die gemeinsame Internetpräsenz von Deutscher Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) ist komplett runderneuert worden. Eine übersichtliche Strukturierung in zeitgemäßer Aufmachung prägt den Relaunch der Seiten der Deutschen Urologie, die sich weiterhin in separaten Bereichen an Patienten und an Fachbesucher wenden. Neue Funktionen wie zum Beispiel ein Leitlinien-Tool für Fachbesucher sind hinzugekommen. „Im Mittelpunkt der Patienteninformation steht wie bisher die seriöse, medizinisch belastbare Aufklärung, die den jüngsten Stand wissenschaftlicher Erkenntnis widerspiegelt. Verändert wurde in erster Linie die Form der Darstellung unseres Angebotes, die nun stärker an aktuelle Rezeptionsgewohnheiten der Nutzer und neue Kommunikationsgeräte angepasst ist“, sagt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg.

BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder betont, dass sich auf dem überarbeiteten Portal auch der Mitgliederbereich des Berufsverbandes den Fachbesuchern aus Klinik und Praxis in neuer, aufgeräumter Form präsentiert. „Eine moderne Nutzerführung ermöglicht es mit wenigen Klicks zu unseren aktuellen Tätigkeitsfeldern und Serviceleistungen zu gelangen“, so Dr. Schroeder. Die Urologen-Suche, das meistbesuchte Angebot unter „www.urologenportal.de“, wurde im Zuge des Relaunches ebenfalls überarbeitet und um zusätzliche Suchfunktionen erweitert.      

Die neue Version der Urologenportals ist in sogenanntem responsivem Webdesign angelegt, das heißt, ihre grafische Darstellung passt sich automatisch den Möglichkeiten des jeweiligen Gerätes an, mit dem sie aufgerufen wird. Entsprechend fallen Platzierung und Anordnung von Navigationselementen, Fotos oder Textspalten auf einem Desktop-PC oder Notebook anders aus als auf einem Tabletcomputer oder einem Smartphone. Die Darstellung wird durch die tatsächliche Breite des Browserfensters modifiziert, starres  Layout ist passé.

In den 15 Jahren seit der Erstveröffentlichung des Urologenportals, das 2007 bereits einen ersten Relaunch erfahren hatte, ist der Umfang seiner Inhalte enorm angewachsen. Dementsprechend bedurften Planung und Umsetzung der jüngsten Überarbeitung intensivster Gremienarbeit zwischen DGU und BDU, bevor die Realisierung durch die Firma Blitz Internet GmbH aus Bamberg erfolgte. „Die viele Arbeit hat sich rentiert. Das ‚neue’ Urologenportal wirkt übersichtlich und aufgeräumt, ohne dass es an Informationsgehalt eingebüßt hätte. Mit rund 2000 Inhaltsseiten und weit über 30.000 Besuchern pro Monat zählt es weiter zu den medizinischen Schwergewichten im Web“, so DGU-Generalsekretär Prof. Hakenberg.

Augenfälligste Neuerung des Portals ist ein Slider auf der Startseite, dessen Bebilderung auf aktuellste Themen und besondere Inhalte hinweist. Wie auf dem gesamten Portal wird auch hier künftig vermehrt mit eigenen Fotos gearbeitet. Zu den neuen Funktionen, von denen in diesen Tagen die letzten sukzessive freigeschaltet wurden, zählt auch ein Tool, das alle Leitlinien für Diagnostik und Therapie der Urologie in aufbereiteter Form zur Verfügung stellt. Außerdem wurde für den Relaunch die Mediathek vollständig überarbeitet. 

Unter dem Dach des Portals haben Besucher direkten Zugang zur DGU-Kongress-Webseite, zur Internetpräsenz der Akademie der Deutschen Urologen und allen anderen wichtigen Webauftritten der Fachgesellschaft und des Berufsverbands. In den geschlossenen Bereich des Portals können sich Mitglieder von DGU und BDU wie bisher über ihre DocCheck-Daten einloggen, sich nun aber alternativ auch über ihre Mitgliedsdaten von DGU und BDU registrieren lassen. Für die Medien wurde ein eigener Bereich beibehalten, in dem Pressemitteilungen und weitere Materialien zur Verfügung stehen.    

BDU-Präsident Dr. Schroeder betrachtet die Überarbeitung des Urologenportals als ein gelungenes Stück Öffentlichkeitsarbeit: „Nicht nur die Mitglieder von BDU und DGU profitieren, wenn es um berufspolitische oder medizinisch-wissenschaftliche Fragestellungen geht. Auch Patienten, deren Angehörige und anderweitig Interessierte können sich hier ohne großen Aufwand seriöse Informationen in gut verständlicher Form zu fast allen urologischen Themen einholen. Der informierte Patient liegt uns am Herzen.“ 

Unter diesem Aspekt wurde auch die Datenbank der Selbsthilfegruppen auf dem Urologenportal mit neuen Suchfunktionen und einem Aktualisierungsautomatismus ausgestattet.

Einladung zur DGU-Pressekonferenz am 29. September 2016 in Leipzig

Leipzig. In Sachsens größter Stadt werden in wenigen Tagen über 7000 internationale Fachbesucher zur 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) erwartet. Der DGU-Kongress ist die wichtigste Wissenschafts-  und Fortbildungs-Plattform der Urologie in Deutschland und weltweit die drittgrößte urologische Fachtagung. Vertreter der Fachpresse und der Publikumsmedien sind herzlich zur Eröffnungs-Pressekonferenz am 29. September 2016, 13.00 bis 14.30 Uhr im Congress Center Leipzig, Raum 11, Ebene 2 eingeladen. DGU-Pressesprecher Prof. Dr. med. Christian Wülfing freut sich, die Medienvertreter im CCL zu begrüßen und wird die Pressekonferenz moderieren.

 Vor Ort wird zunächst DGU- und Tagungspräsident Prof. Dr. med. Kurt Miller, der den diesjährigen Kongress der Fachgesellschaft unter das Motto „Ökonomie – Medizin – Qualität“ gestellt hat, ebendieses Dilemma beleuchten. Außerdem wird der Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik Charité auf der Pressekonferenz die Verleihung des Medienpreises Urologie 2016 vornehmen.

Nachfolgend steht Neues zur Nierenlebendspende auf dem Programm: Erste roboter-assistierte Transplantationen in zwei deutschen Transplantationszentren sorgten jüngst für Aufsehen. Darüber hinaus kann der 2. DGU-Vize-Präsident, Univ.-Prof. Dr. med. Paolo Fornara, als Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer Aktuelles zur geplanten Richtlinie zur Lebendspende berichten.

Kontrolliertes Abwarten, Totaloperation oder Bestrahlung? Im Schnitt alle neun Minuten muss ein Prostatakrebspatient in Deutschland, gemeinsam mit seinem Urologen, eine Therapieentscheidung treffen. Die neue internetbasierte „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ der PatientenAkademie der Urologen unterstützt bei der Entscheidungsfindung. Projektleiter PD Dr. med. Dr. phil. Johannes Huber präsentiert in Leipzig erste Evaluationsergebnisse, wie das Beratungsportal bei Patienten und Urologen ankommt.

Mit der amerikanischen „PLCO-Studie“ hat sich in diesem Sommer eine der wichtigsten Studien zur Früherkennung des Prostatakarzinoms als fehlerhaft erwiesen: Vor allem in der Öffentlichkeit bedarf es nun einer Neueinschätzung des bisher so umstrittenen PSA-Testes, wie DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg auf der Pressekonferenz erläutern wird.

 

Die Themen der DGU-Pressekonferenz im Überblick:
Donnerstag, 29. September 2016, 13.00 bis 14.30 Uhr, CCL, Raum 11, Ebene 2
 
Nierenlebendspende: Was gibt es Neues?
Roboter-assistierte Transplantationen und Richtlinie Lebendspende
Univ.-Prof. Dr. med. Paolo Fornara, Halle
 
Wie kommt die „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ bei Patienten und Urologen an?
Erste Evaluationsergebnisse zum neuen Beratungsportal der PatientenAkademie 
PD Dr. med. Dr. phil. Johannes Huber, Dresden
 
Aktuelle Erkenntnisse zur PLCO-Studie erfordern Neueinschätzung des PSA-Testes 


Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, Rostock 
 
Darüber hinaus erwartet die Medienvertreter vor Ort ein Statement zur Berufspolitik von Dr. med. Axel Schroeder, dem Präsidenten des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. 

Hinweis: Während des gesamten DGU-Kongresses vom 28. September bis 1. Oktober 2016 haben Journalisten Gelegenheit zur Recherche und für Interviews mit den Vertretern der deutschen Urologie. Auf dem traditionellen Pressegespräch am Freitag, 30. September, 13.00 bis 14.00 Uhr stellen sich DGU-Präsident Prof. Miller, DGU-Pressesprecher Prof. Wülfing und der auf dem Kongress neu gewählte DGU-Generalsekretär den Fragen der Journalisten.

68. DGU-Kongress - 28.09. bis 01.10.2016 in Leipzig: Akkreditierung für Medienvertreter

Harninkontinenz, Prostatakrebs und Prävention:
Urologen informieren auf Patientenforum im Congress Center Leipzig

Leipzig. Aktuelle medizinische Informationen verständlich erklärt von Experten der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU): Herzlich lädt DGU-Kongresspräsident Prof. Dr. Kurt Miller die Leipziger zu einem Patientenforum ein, das die Fachgesellschaft im Rahmen ihrer Jahrestagung im Congress Center Leipzig (CCL) am Samstag, den 1. Oktober 2016, 10.30 bis 12.00 Uhr veranstaltet. Auf dem Programm stehen das Volksleiden Harninkontinenz, das Prostatakarzinom sowie die Prävention urologischer Erkrankungen. Die Veranstaltung in Saal 5 des CCL ist kostenfrei und kann ohne Anmeldung besucht werden.

„Von einer Blasenschwäche sind in Deutschland rund acht Millionen Menschen betroffen - Frauen wie Männer. Viele von ihnen verschweigen die vermeintliche Tabu-Krankheit aus Scham und erhalten deshalb keine angemessene Behandlung“, sagt der Moderator des Patientenforums und stellvertretende Vorsitzende der PatientenAkademie der Deutschen Urologen, Prof. Dr. Christian Wülfing. „Das wollen wir ändern und die Betroffenen ermutigen, sich helfen zu lassen, denn die Harninkontinenz ist in den meisten Fällen gut behandelbar.“ Über aktuelle Behandlungsmethoden berichtet die Münchner Urologin PD Dr. Richarda Bauer aus dem Arbeitskreis „Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.

Auch das Prostatakarzinom mit etwa 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr stellt die Betroffenen vor größte Herausforderungen. Im Schnitt muss in Deutschland alle 9 Minuten ein Mann, gemeinsam mit seinem Urologen, eine Behandlungsentscheidung treffen: Zuwarten, Totaloperation oder Bestrahlung? Die neue onlinebasierte interaktiv personalisierte „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ kann die Patienten effektiv bei der Wahl der individuell besten Therapie unterstützen. Projektleiter PD Dr. Dr. Johannes Huber aus Dresden stellt das innovative Beratungsportal der PatientenAkademie der Deutschen Urologen für Männer mit nicht metastasiertem Prostatakarzinom den Besuchern des Patientenforums in Leipzig vor.

Wichtigen und kompetenten Beistand erfahren Betroffene ebenfalls durch die Patientenselbsthilfe. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS) erbringt diese Beratung auf höchstem Niveau. „Was können Selbsthilfegruppen leisten?“, fragt deshalb Moderator und DGU-Pressesprecher Wülfing in einem Interview mit den Vertretern des BPS, Dr. Lothar Eberhard, Leiter der Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Leipzig, und Günther Carl, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e. V.

Über die Prävention urologischer Erkrankungen und Früherkennungsuntersuchungen für Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder klärt Prof. Dr. Stephan Roth aus Wuppertal, DGU-Präsident der Amtsperiode 2014/2015, auf. „Vorbeugen ist möglich“, weiß auch Prof. Wülfing. „Und das gilt nicht nur, wie vielfach angenommen, für Männer, denn urologische Erkrankungen können Frauen und Kinder ebenso treffen.“ 

Medienvertreter sind auf dem Patientenforum im Congress Center Leipzig (CCL) am Samstag, den 1. Oktober 2016, 10.30 bis 12.00 Uhr in Saal 5 ebenfalls herzlich willkommen.

68. DGU-Kongress - 28.09. bis 01.10.2016 in Leipzig: Akkreditierung für Medienvertreter

Roboter-assistierte Nierentransplantation durchs Schlüsselloch
Urologen etablieren innovatives Operationsverfahren in der Nierentransplantation

Düsseldorf. Die Urologie in Deutschland feiert einen großen Fortschritt in der Nierenlebend­transplantation. Erstmals führten Teams um Prof. Dr. med. Michael Stöckle, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie in Homburg/Saar und Prof. Dr. med. Paolo Fornara, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie und des Nierentransplantationszentrum der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, in beiden Zentren erfolgreich die innovative roboter-assistierte Nierenlebendtransplantation durch. „Die Anwendung der roboter-assistierten Operationstechnik auf die Nierentransplantation bei Lebendspende stellt eine wichtige Innovation dar, auch wenn noch nicht klar ist, wie sich dies weiter entwickeln wird“, sagt Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU).

Die roboter-assisitierte Nierenlebendtransplantation ist eine noch junge Errungenschaft der Urologie; erst 30 Operationen dieser Art wurden in Europa durchgeführt. Umso bedeutender ist es aus Sicht der DGU, dass es nun zwei Kollegen und deren Teams gelungen ist, jeweils zwei Patienten mithilfe des OP-Roboters „daVinci“ erfolgreich auch hierzulande zu transplantieren. Prof. Fornara: „Wir sind damit nicht nur das einzige ostdeutsche Zentrum, welches die neue roboter-assistierte Nierenlebendtransplantation durchführen kann, sondern haben das Verfahren sogar weiterentwickelt. Durch den Einsatz des Roboters bei der Nierenlebendtransplantation sind wir in der Lage, den gesamten Vorgang einer Lebendspende minimal-invasiv durchs Schlüsselloch durchzuführen. Mit anderen Worten können wir eine Niere nun ohne zu schneiden dem Spender entnehmen und diese ebenfalls ohne Schnitt dem Empfänger transplantieren.“ So können zum Beispiel die Lebendspender bereits nach vier Tagen die Klinik verlassen und die Empfänger nach zwei Wochen entlassen werden.

Der OP-Roboter operiert selbstverständlich nicht allein. Ein erfahrener Operateur steuert den technischen Helfer. Der Arzt sitzt dabei direkt neben dem OP-Tisch an einer Konsole und seine Finger- und Fußbewegungen dirigieren die Instrumente des Roboters. Ein großer Vorteil von "daVinci" gegenüber dem Arzt: Er hat vier Arme, die jeder für sich Instrumente und Operationsbesteck halten und einsetzen können. Der OP-Roboter ist während der Nierenlebendtransplantation direkt über dem Patienten platziert und überträgt in Echtzeit jede noch so kleine Bewegung der Hände des Urologen. Der Operateur hat stets den vollen Überblick, denn er sieht das Operationsfeld auf einem Bildschirm stark vergrößert und dreidimensional für eine bessere Orientierung. Mithilfe seines Roboter-Assistenten ist der Urologe in der Lage, sich frei und optimal im Inneren des Körpers zu bewegen. Dadurch werden selbst feinste chirurgische Passagen möglich, wie zum Beispiel die Gefäßnaht, was gerade bei einer Transplantation von Vorteil ist.

„Dank der unaufhörlichen Weiterentwicklung in der roboter-assistierten Chirurgie können auch immer komplexere Operationen heute bereits minimal-invasiv durchgeführt werden. Wir sind sehr froh darüber, dass diese neue Technik ab sofort in Deutschland innerhalb spezialisierter urologischer Zentren nun sogar in der Nierenlebend­transplantation bei Spender und Empfänger zum Einsatz kommt“, führt Prof. Hakenberg abschließend aus. Bei Prostatakrebsoperationen sind roboter-assistierte OP-Verfahren seit Langem etabliert.

Der diesjährige DGU-Kongresspräsident, Prof. Dr. med. Kurt Miller, lädt bereits heute interessierte Medienvertreter herzlich zur 68. DGU-Jahrestagung (28.09. bis 01.10.2016 im Congress Center Leipzig) ein, auf der in einem eigenen Kongressforum aktuelle Erkenntnisse zur „Nierentransplantation“ diskutiert werden.

68. DGU-Kongress -28.09. bis 01.10.2016 in Leipzig: Akkreditierung für Medienvertreter

68. Urologen-Kongress zwischen Ökonomie und Qualität:
DGU-Präsident kritisiert Pläne zur qualitätsorientierten Krankenhausplanung

Düsseldorf. Mit dem diesjährigen Kongressmotto „Qualität vs. Ökonomie“ rückt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Prof. Dr. Kurt Miller, ein Dilemma in den Fokus der 68. DGU-Jahrestagung, das den beruflichen Alltag nahezu aller medizinischen Fachgruppen bestimmt und bereits im Frühjahr den Kongress der Chirurgen beschäftigte. Wege aus dem Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin will die DGU auf ihrer Jahrestagung vom 28. September bis 1. Oktober 2016 im Congress Center Leipzig (CCL) diskutieren.

Einen ersten Schritt aus dem Dilemma hat das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes kürzlich getan und im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) planungsrelevante Qualitätsindikatoren vorgelegt, die eine qualitätsorientierte Krankenhausplanung ermöglichen sollen. Demnach soll schlechte Qualität künftig anhand der „Patientengefährdung“ bewertet werden. Kritik daran kommt nicht nur aus der Bundesärztekammer. „Qualität abzubilden und dargestellte Exzellenz zu fördern und leistungsgerecht zu vergüten, kann einen Weg aus der derzeitigen Misere bieten. Wenn statt einer ausgezeichneten Patientenversorgung aber Fehler und Risiken gemessen werden, setzen wir die von der Ärzteschaft inzwischen aufgebaute Sicherheitskultur zur Fehlervermeidung aufs Spiel“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller. Auch die Urologen bauen mit CIRS-Urologie auf einen offenen Umgang mit Fehlern zur Steigerung der Patientensicherheit. „Es geht um Prävention, nicht um Bestrafung, die alte Muster des Vertuschens provoziert“, so Prof. Miller.

Damit ist auf dem DGU-Kongress in Leipzig für brandaktuellen Diskussionsstoff gesorgt, wo, neben Vertretern der Krankenkassen und Prof. Matthias Schrappe als Experte im Gesundheitswesen, auch der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Prof. Josef Hecken, erwartet wird. „Es muss unser Ziel sein, gemeinsam mit anderen Fachrichtungen auf Fehlanreize des DGR-Systems aufmerksam zu machen und nach besseren Lösungen für den Konflikt zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin zu suchen“, bekräftigt Prof. Miller sein Anliegen. Unter diesem Aspekt werden neben dem „Fehlermanagement“ auch die Themen „Ökonomie und Forschung“, „Versorgungsforschung“, „Mehr Qualität durch Zentren“ und „Lebensqualität“ im CCL in eigenen Foren diskutiert. Medienvertreter sind herzlich eingeladen, diese Debatten zu verfolgen.

Ein „Weiter so“ im Klinikalltag kann es für den DGU-Präsidenten nicht geben: „Wir müssen die anhaltende Spirale durchbrechen. Heute geben die Klinikleitungen den ökonomischen Druck an den ärztlichen und pflegerischen Bereich weiter und versuchen, mit möglichst wenig Ressourcen möglichst viel zu machen.“ Ein Pflegepersonalschlüssel für Krankenhäuser wie ihn der Deutsche Ethikrat fordert, ist auch für Prof. Miller eine notwendige Maßnahme, um der aktuellen Lage in den Krankenhäusern zu begegnen und die Patientensicherheit zu gewähren. „Eine gesetzliche Regelung für eine vorgeschriebene Mindestzahl von Ärzten gibt es ebenso wenig“, beklagt der DGU-Präsident. Der Trend, immer mehr Leistung mit immer weniger Ressourcen zu erbringen, muss auf der Basis nachvollziehbarer Berechnungsgrundlagen gestoppt werden. 

Der DGU-Kongress ist die weltweit drittgrößte urologische Fachtagung, zu der in Leipzig rund 7000 internationale Teilnehmer erwartet werden. Aktueller Wissenschaftsaustausch und ein breites Fortbildungsprogramm zeichnen die Jahrestagung der Fachgesellschaft aus. Den inhaltlichen Schwerpunkt des Fortbildungsangebots bildet die Uroonkologie, da Urologen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland behandeln.

Von Joggerphimose bis Schaumbad-Zystitis:
Urologische Gefahren in Sport und Freizeit

Düsseldorf. Viel Bewegung und Sport gehören fraglos zu einem gesunden Lebensstil. Doch nicht wenige Kraftsportler riskieren  ̶  z. B. durch die Einnahme von Anabolika  ̶ Impotenz, Unfruchtbarkeit, Nierenschäden und Brustwachstum. „Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) warnt seit Langem vor den Folgen des Dopings in deutschen Fitnessstudios“, sagt  Prof. Dr. med. Christian Wülfing, Pressesprecher der DGU. Sport und Freizeit bergen aber auch diesseits verbotener Substanzen ungeahnte Gefahren. Zu denken sei hier an die Folgen ungeeigneter Sportbekleidung, von Wellness-Bädern oder an Trends zu Intim-Piercings und der mittlerweile sehr weit verbreiteten Intimrasur.

Der Medikamentenmissbrauch im Leistungs- und Kraftsportbereich ist nicht neu, doch auch viele Freizeitsportler haben die leistungssteigernden Präparate sowie die schmerzlindernden Medikamente für sich entdeckt. Schätzungsweise zwischen 200.000 und 400.000 Kraftsportler in Deutschland bauen auf Steroide und Anabolika; die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Die Nebenwirkungen können verheerend für den Mann sein. „Steroid-Akne, Missstimmungen bis hin zur Depression sind hier noch die mildesten Folgen des Steroidmissbrauchs“, so Prof. Wülfing. Die Männer finden ihren Weg zum Urologen meist erst, wenn ihnen Brüste wachsen (die sogenannte Gynäkomastie) oder wenn Erektionsstörungen auftreten. „Das Problem des Missbrauchs von leistungssteigernden Substanzen im Sport- und Freizeitbereich ist nicht durch die Urologen und deren Aufklärungsbemühungen allein zu lösen. Hier ist vor allem die Politik gefordert, mehr für die Prävention an Schulen zu sorgen sowie die Schwarzmärkte für Anabolika auszutrocknen“, fasst Prof. Wülfing zusammen.

Wenn auch der Anabolika-Missbrauch ganz sicher das aus urologischer Sicht größte Problem im Sport- und Freizeitbereich ist, lauern dort weitere Gefahren. Eine besondere Rolle spielt dabei die Intimpflege. Das Duschen gehört nach dem Sport für die meisten Menschen zum Programm. „Tägliches Duschen mit aggressiven Seifen und die Verwendung von Intimsprays zerstören den Schutzmantel der Haut und reizen die Schleimhäute im Genital- und Analbereich. Bakterien haben so leichtes Spiel und lösen beispielsweise Harnwegsinfekte aus“, gibt PD Dr. med. Frank Oberpenning, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am St. Agnes-Hospital Bocholt, zu bedenken. Auch vor der sogenannten Schaumbad-Zystitis  ̶ Blasenentzündung als Folge ausgedehnter Wellness-Bäder bei Frauen  ̶ warnt der Urologe.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Intimrasur. Es wirkt optisch alles viel hygienischer im Genitalbereich, doch die Rasur führt zu kleinsten Verletzungen der Haut. Solche Mikroläsionen dienen vielen Viren und Bakterien als Eintrittspforten in den Körper. In der Folge kommt es z. B. sehr viel leichter zu Infektionen mit Herpes-Viren oder Humanen Papillomaviren (HPV), von denen letztere unter anderem die unangenehmen Feigwarzen oder sogar Krebs verursachen können.

Ebenso bergen Intimpiercings manche Verletzungsgefahr bei Mann und Frau. Es kann zu Blutungen kommen, die das Infektionsrisiko erhöhen. Nerven und Schwellkörper des Penis können geschädigt werden, Kondome reißen. Aus urologischer Sicht ist Intimschmuck nicht zu empfehlen. Wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, sollte sich der Verletzungsrisiken für sich selbst und den Partner bewusst sein. 

Jedoch auch ohne Schmuck kann es beim Sport zu Reibungen und Irritationen im Intimbereich kommen, wie Fälle der sogenannten Joggerphimose zeigen. „Sie ist ein klassischer Fall von falscher Sportbekleidung. Die Joggerphimose tritt zwar lediglich in Einzelfällen auf, ist dann aber umso schmerzhafter“, weiß Dr. Oberpenning. „Nylonhosen sehen sicher trendy aus, doch führt der Stoff auf der Haut zu gesteigerter Reibung. Die Vorhaut des betroffenen Mannes kann sich in der Folge entzünden, anschwellen und die Eichel durch Narbenbildung verengen.“ Vermeidbar ist dieses Krankheitsbild, indem statt Nylon Baumwoll-Bekleidung verwendet wird.

Beim Fahrradfahren haben die meisten Männer kein relevantes Risiko, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. med. Kurt Miller. „Wenn beim Radfahren allerdings lange Zeit Druck auf den Damm ausgeübt wird, kann das die Nerven, die auch die Schwellkörper versorgen, beeinträchtigen.“ Das könne vor allem bei Männern ein Problem werden, die länger als drei Stunden pro Woche Fahrrad fahren. Treten Taubheitsgefühle im Dammbereich auf oder strahlen diese in den Penis aus, sollte man definitiv etwas ändern, rät Prof. Miller. Maßgeblich sind etwa der Sattel und die Sitzposition. „Aber, wenn man es richtig macht, hat Fahrradfahren einen positiven Effekt auf die Potenz, denn es fördert die Durchblutung im Beckenbereich.“

Wichtig ist es, bei allen Veränderungen im männlichen Genitalbereich einen Urologen aufzusuchen. Nicht immer sind solche Probleme schmerzhaft, wie im Falle einer Phimose oder einer Hodenprellung durch Stoßverletzungen beim Fußball oder Hockey. „Von Selbstversuchen mit Kühlakkus rät die Deutsche Gesellschaft für Urologie generell ab, denn der Penis und insbesondere die Hoden sind sehr empfindlich gegenüber Temperaturen, sodass selbst mit haushaltsüblichen Eisakkus bereits nach kürzester Zeit Erfrierungserscheinungen drohen können“, ergänzt Prof. Wülfing abschließend und verweist auf die 68. DGU-Jahrestagung, welche vom 28.09. bis 01.10.2016 in Leipzig stattfinden wird.

Dort erwarten die Besucher des öffentlichen DGU-Patientenforums am 01.10.2016 zwischen 10:30 Uhr und 12:30 Uhr weitere Informationen zu urologischen Erkrankungen. DGU- und Kongresspräsident Prof. Miller lädt daher bereits heute alle Interessierten herzlich zu dieser Veranstaltung ins Congress Center Leipzig ein.

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.:
Wann die Gabe von Testosteron im Alter sinnvoll ist

Düsseldorf. KommenMänner in die Wechseljahre? Diese Frage wird immer wieder diskutiert. Die Antwort der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) ist ein eindeutiges Nein. Bei dem Beschwerdebild, das fälschlicherweise oft als „Wechseljahre des Mannes“ bezeichnet wird, handelt es sich um ein Androgendefizit, auch Hypogonadismus genannt. „Meist ist bereits ab dem 45. Lebensjahr eine stetige Abnahme des wichtigsten Sexualhormons Testosteron von etwa einem Prozent im Jahr zu beobachten“, sagt Prof. Dr. Sabine Kliesch, Vorsitzende der PatientenAkademie der DGU. „Bei einem hohen Ausgangswert bereitet das keine Probleme. Doch es gibt Männer, die mit erheblichen Beschwerden zu kämpfen haben. Ihnen kann unter Umständen eine Testosteronersatztherapie helfen.“

Bei den 40- bis 79-Jährigen sind etwa zwei bis fünf Prozent der Männer vom altersbedingten Hypogonadismus betroffen. Besonders häufig zeigt sich der Hormonmangel in Zusammenhang mit Übergewicht und einem schlechten Gesundheitszustand. Aber auch Grunderkrankungen wie das metabolische Syndrom und Diabetes mellitus wirken sich negativ auf den Testosteronspiegel aus. Zu den Leitbeschwerden, mit denen Männer die urologische Praxis aufsuchen, zählen Erektionsstörungen und Libidoverlust. Weitere Folgen des Androgendefizits sind Schlafstörungen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. „Die betroffenen Männer fühlen sich nicht mehr leistungsfähig. Sogar Depressionen können einen Hypogonadismus begleiten“, weiß Prof. Kliesch. Häufig zeigt sich zudem eine Abnahme der Muskelmasse bei gleichzeitiger Zunahme des gesundheitskritischen viszeralen Bauchfetts. Hinzu kommt, dass ein zu niedriger Testosteronspiegel andere Stoffwechselprozesse negativ beeinflusst. Langfristig leidet das Blutbild und der Knochenstoffwechsel, Übergewicht sowie eine Störung des Zuckerhaushalts werden begünstigt. „Es ist ein Kreislauf: Zum einen fördert ein zu niedriger Testosteronspiegel die Entstehung von Stoffwechselkrankheiten. Zum anderen verstärken bereits bestehende Stoffwechselerkrankungen den Testosteronmangel. Hypogonadismus stellt für die Gesundheit des Mannes daher ein gewisses Risiko dar“, erklärt Prof. Kliesch. Die Urologin und renommierte Andrologin empfiehlt Kollegen, bei Patienten mit Beschwerden genau hinzuschauen und bei einem klinischen Verdacht auf einen Hypogonadismus die Testosteronwerte zu untersuchen.

Bei Symptomen und klinischem Verdacht ist der Hormontest eine Kassenleistung. Die endokrinologische Diagnostik erfasst dabei nicht nur die Bestimmung des Testosteronspiegels. Auch die Gonadotropine, das sexualhormonbindende Globulin (SHBG), Prolaktin sowie der PSA-Wert sind relevant. Kontraindikationen wie ein Prostatakarzinom müssen bei der Diagnostik ausgeschlossen werden. „Testosteronwerte zwischen 8 und 12 nmol/l sollten genauer kontrolliert werden“, sagt Prof. Kliesch. Bestimmungen des Blutbildes und der Blutfette schließen sich ebenso an wie die Messung der Knochendichte. Die genannten Parameter müssen auch im Verlauf einer Substitutionstherapie kontrolliert werden. Wichtig ist zudem, dass der Urologe im Zuge der Hormontherapie den Kontakt zu anderen Disziplinen etwa dem Hausarzt, dem Kardiologen und dem Diabetologen sucht, um dem Patienten eine bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Die Reduzierung gesundheitlicher Risiken, die in einem ungesunden Lebensstil begründet liegen und die Behandlung von Begleiterkrankungen sind gegebenenfalls wichtiger als die reine Testosteronersatztherapie.

„Die Hormontherapie ist kein Allheilmittel. Allerdings kann die Gabe von Testosterongelen oder Depotspritzen die Gesundheit und das Wohlbefinden des Patienten deutlich unterstützen“, erklärt Prof. Kliesch. „In dem Moment, in dem ich den Stoffwechselhaushalt auf hormoneller Seite wieder in Ordnung bringe, lassen sich auch andere gesundheitskritische Werte wie ein zu hoher Blutzucker besser behandeln“, betont die Urologin und ergänzt: „Studien haben gezeigt, dass ein Diabetiker, der begleitend unter einem unbehandelten Hypogonadismus leidet, früher stirbt, als ein Diabetiker mit einem behandelten Testosteronmangel.“ Ganz aktuell weist eine US-amerikanische Studie zudem auf kardiovakuläre Vorteile einer Testosteronersatztherapie hin. Anders als bisher diskutiert, senkt demnach die Normalisierung der Testosteronwerte bei Männern ohne vorhergehende kardiovaskuläre Ereignisse das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle und vermindert die Gesamtsterblichkeit.

Vor Beginn der Substitutionstherapie ist es von großer Wichtigkeit, den Patienten über den Nutzen der Hormone, aber auch über Nebenwirkungen wie mögliche Auswirkungen auf die Prostata oder die Fruchtbarkeit aufzuklären. „Diagnostik und Behandlung nach den Leitlinien der European Association of Urology (EAU) gewähren auch für den älteren Mann einen verantwortungsvollen Umgang mit der Hormonersatztherapie, die bei Patienten mit einem entsprechenden Beschwerdebild, bei nachgewiesenem Hypogonadismus, nach Aufklärung und Risikoabklärung sowie mit begleitenden Verlaufskontrollen zum Tragen kommen kann“, sagt Prof. Dr. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., die die jüngste Medienkritik am Einsatz der Testosteronersatztherapie ausdrücklich zurückweist.

Nächtliche Toilettengänge sind nicht nur ein Männerproblem und mehr als lästig
Urologen warnen: Volksleiden Nykturie oft ein Alarmsignal

Düsseldorf. Allnächtlich aufzuwachen, weil die Blase den Gang zur Toilette fordert, ist ein verbreitetes Leiden - und ein gefährliches zugleich: Zum einen werden die Folgen der regelmäßigen Unterbrechung des Nachtschlafes zum Wasserlassen, fachsprachlich Nykturie genannt, unterschätzt. Zum anderen sind die nächtlichen Toilettengänge häufig ein Alarmsignal, das auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung hinweist. „Fälschlicherweise wird Nykturie in der Bevölkerung vielfach als eine unvermeidbare Alterserscheinung, vorrangig des Mannes, abgetan, obwohl es der Abklärung der individuellen Ursachen bedarf“, sagt Prof. Dr. Kurt Miller, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), die das Volksleiden auf dem 68. DGU-Kongress vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in Leipzig thematisiert.

Tatsächlich ist die Nykturie die häufigste Ursache von Schlafstörungen, aus denen wiederum Risiken für Gesundheit und Lebenserwartung der Betroffenen resultieren. Anders als vielfach angenommen, sind Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen. Zuverlässige aktuelle Zahlen zur Häufigkeit gibt es nicht, nach älteren Studien leiden aber mehr als 60 Prozent aller Menschen von 70 und mehr Jahren an einer behandlungsbedürftigen Nykturie, die die Betroffenen zwei Mal oder öfter pro Nacht zum Wasserlassen treibt. Fortgeschrittenes Alter ist zwar ein wesentlicher Faktor für Nykturie, bewahrt aber jüngere Menschen nicht davor. In der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist etwa jeder fünfte bis sechste betroffen - hier öfter Frauen als Männer. 

„Nykturie ist keine eigenständige chronische Erkrankung, sondern Symptom anderer körperlicher Störungen. Unterschiedliche Ursachen kommen für den Drang zum nächtlichen Wasserlassen in Betracht, die zunächst im Bereich der Urinproduktion sowie im System der Speicherung und Ableitung des Harns zu suchen sind“, sagt Prof. Dr. Stephan Roth. Bei zahlreichen Nykturie-Patienten liegt eine nächtliche Polyurie vor. Sie scheiden nachts mehr als den sonst üblichen Anteil der 24-Stunden-Urinmenge aus, der für jüngere Menschen bis 20 Prozent, jenseits der 65 bis 33 Prozent liegen sollte. Bei anderen Patienten wird eine reduzierte Kapazität der Harnblase festgestellt, die zur häufigeren Entleerung kleinerer Mengen nötigt. Besonders bei älteren Menschen fallen oft mehrere Faktoren zusammen, die für eine Nykturie ursächlich sein können: Dazu gehören die sinkende Fähigkeit, Urin zu halten, erhöhte Restharnvolumina, Veränderungen am Detrusormuskel, niedrige Konzentration des Antidiuretischen Hormons (ADH), chronische Infekte der unteren Harnwege, überaktive Blase und bei Männern auch eine vergrößerte Prostata. 

„Bei einer Polyurie“, so der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Wuppertal weiter, „ist es notwendig, die Ursachen der erhöhten nächtlichen Urinproduktion abzuklären“. Infrage kommen, laut Roth, eine Herzinsuffizienz, für die ein Übermaß an auszuscheidendem Gewebewasser ein Indiz wäre; auch ein Diabetes, ein erhöhter systolischer Blutdruck oder Störungen der Nierenfunktion können sich, ebenso wie Medikamente, auf die Urinproduktion auswirken. 

Schnarchen, das mehr als die Hälfte aller Männer betrifft, und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) sind eng verbunden mit der Nykturie, die sogar als ein Leitsymptom des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms gilt. Wird diese gefährliche Schlafstörung effektiv behandelt, so bessert sich auch der Drang zum nächtlichen Wasserlassen. Als weiterer Risikofaktor für Nykturie wird Übergewicht betrachtet. 

Die Folgen der Nykturie können schwerwiegend sein: Schlafstörungen führen oft zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwächen, Verminderung der geistigen Leistung und Kopfschmerzen. In manchen Fällen können Depressionen die Folge sein. Dänische Forscher ermittelten, dass Nykturie die Arbeitsproduktivität um bis 24 Prozent senken kann. Besonders ältere Menschen haben erhöhte Risiken für Stürze und Knochenbrüche. Für herzkranke Patienten wird bei gleichzeitiger Nykturie von einem erhöhten Mortalitätsrisiko ausgegangen.   

„Angesichts des hohen Leidensdrucks, möglicher Komplikationen und der zum Teil schwerwiegenden ursächlichen Erkrankungen wird die Notwendigkeit zur gründlichen medizinischen Abklärung einer Nykturie deutlich“, resümiert DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller und lädt die Medienvertreter ein, sich auf dem 68. DGU-Kongress in Leipzig über das unterschätzte Volksleiden zu informieren.

Achtung: Bewerbungsfrist für Medienpreis Urologie 2016 endet am 31. Juli!

Individuelle Krebsfrüherkennung ist und bleibt medizinisch sinnvoll
Urologen verwahren sich gegen pauschale PSA-Verurteilung in der Früherkennung

Düsseldorf/Berlin. Ärzte unter Generalverdacht: Angesichts der erneuten Pauschalverurteilung individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) und der damit verbundenen Ärzte-Diffamierung durch den Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) anlässlich der Präsentation ihres aktuellen IGeL-Monitors dieser Tage in Berlin, verwahren sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) gegen die erhobenen Vorwürfe. „IGeLn ist kein Volkssport unter Fachärzten, und Ärzte sind keine Abzocker“, sagt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg. „Selbstzahlerleistungen können im individuellen Fall medizinisch sinnvoll sein. Dazu zählen DGU und BDU ausdrücklich auch den PSA-Test zur individuellen Früherkennung“, sagt BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. Dass der IGeL-Monitor den Bluttest zur Früherkennung von Prostatakrebs tendenziell negativ beurteilt, entspreche nicht der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage und offenbare erneut, dass die vermeintlich neutralen Voten des IGeL-Monitors keineswegs unfehlbar sind.

„Die Datenlage zum PSA-Test hat sich verändert, nachdem sich mit der US-amerikanischen PLCO-Studie eine wichtige Studie, die gegen den Nutzen der PSA-basierten Früherkennung sprach, kürzlich als fehlerhaft herausgestellt hat“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller. Dies müssten auch die Kassen in ihrem IGeL-Votum berücksichtigen. 2015 hatte der IGeL-Monitor bereits sein Urteil über eine HNO-Leistung revidieren müssen. Derzeit hat das Portal sein Urteil zum Toxoplasmose-Test zur Prüfung vom Netz genommen.

Die Präsidenten betonen: „DGU und BDU halten an ihrer bisherigen Einschätzung des PSA-Testes und ihrer Empfehlung zu einer informierten individuellen Entscheidung zur Früherkennung von Prostatakrebs fest.“ Laut der „Interdisziplinären Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ und der dazugehörigen Patientenleitlinie wird Männern, die mindesten 45 Jahre alt sind und die sich nach Aufklärung für die Früherkennung entschieden haben, eine Tastuntersuchung zusammen mit einem PSA-Test empfohlen. „Die aktuelle Entwicklung bei der PLCO-Studie zeigt einen Trend zugunsten des PSA-Testes“, sagt BDU-Präsident Schroeder. „DGU und BDU werden weiter die laufende europäische ERSPC-Studie und die PROBASE-Studie beobachten und die gemeinsamen Empfehlungen zur Früherkennung weiterhin auf der Grundlage gesicherter Erkenntnisse abgeben“, so Dr. Schroeder weiter.

„Leitliniengerechte Aufklärung über Früherkennung heißt in der Urologie demnach auch Information und Aufklärung über die Selbstzahlerleistung PSA-Test, womit die generellen Ärzte-Diffamierungen seitens der Kassen und Verbraucherschützer jeglicher Grundlage entbehren“, sagt DGU-Generalsekretär Prof. Hakenberg mit Blick auf die aktuelle Kampagne des MDS.

DGU und BDU halten großes Aufklärungsangebot vor: Deutschlands Urologen begrüßen informierte Patienten

Düsseldorf/Berlin. An Schlagzeilen mangelte es nicht: Eine jüngst von der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK veröffentlichte Studie, wonach Ärzte informierte Patienten kritisch sehen, fand regen Widerhall in den Medien. Der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) und die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) betonen angesichts der Online-Umfrage unter rund 800 niedergelassenen Ärzten unterschiedlicher Fachbereiche in Deutschland, dass sie den informierten Patienten ausdrücklich begrüßen und weisen aus diesem Grund auf das eigene umfängliche Engagement bei der medizinischen Aufklärung der Bevölkerung und die Vielfalt ihrer eigenen Informationsangebote hin. Erst vor wenigen Tagen wurde das Aufklärungspaket der Urologen durch die innovative „Online Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ noch einmal erweitert. 

„Für uns steht das legitime Informationsbedürfnis der Patientinnen und Patienten nicht infrage“, sagt BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. „Aber natürlich wissen wir, und darauf weist auch die Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK hin, dass es für den medizinischen Laien, vor allem bei der selbstständigen Internetrecherche schwierig ist, seriöse Quellen zu identifizieren. Medizinisch geprüfte Informationen sind aber gerade für onkologische Patienten und Patientinnen, allen voran Prostatakrebspatienten, die wir in der Urologie in einer großen Zahl betreuen, besonders wichtig.“

Gerade deshalb engagieren sich der BDU und die DGU seit Jahren bei der Erstellung eigener Informationsangebote. Dazu zählen das Engagement bei den Patientenleitlinien zum Prostata-, Nieren- und Harnblasenkrebs, das umfangreiche Angebot an eigenen Patientenbroschüren zu relevanten urologischen Erkrankungen und deren Prävention, das Internetportal der deutschen Urologen (www.urologenportal.de) und die speziell für die männlichen Adoleszenten konzipierte Webseite www.jungensprechstunde.de ebenso wie die Internetkampagne zum Hodenhochstand, mit der 2015 gezielt junge Eltern angesprochen wurden. Absolut neue Wege der individuellen Beratung geht die interaktive „Online Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ der PatientenAkademie der Deutschen Urologen (www.entscheidungshilfe-prostatakrebs.info), die Betroffene und ihre betreuenden Urologen bei der Wahl der individuell richtigen Therapie unterstützt. „Die Tatasche, dass wir als Fachgesellschaft und Berufsverband eine eigene PatientenAkademie unterhalten, zeigt, welchen hohen Stellenwert Deutschlands Urologen der wissenschaftlich begleiteten Patientenaufklärung beimessen“, sagt der DGU-Pressesprecher und 2. Vorsitzende der PatientenAkademie, Prof. Dr. Christian Wülfing.

Der BDU verweist zudem auf seinen Selektivvertrag zur Aktive Surveillance, der einen aufklärungsintensiven Behandlungspfad beim Prostatakarzinom unterstützt sowie auf seinen speziellen PCa-Aufklärungsleitfaden, der das Arzt-Patientengespräch auf hohem Niveau standardisiert. BDU-Präsident Dr. Schroeder: „Nicht zuletzt sei an dieser Stelle die jahrelange enge Zusammenarbeit der urologischen Verbände mit der Selbsthilfe, gerade mit dem Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS), genannt, die ebenfalls dazu beiträgt, dass Männer sowohl bei der Früherkennung des Prostatakarzinoms (PCa) als auch bei der Behandlung einer Prostatakrebserkrankung eine informierte Entscheidung treffen können.“

„Mit diesen vertrauenswürdigen Aufklärungsangeboten unterstützen DGU und BDU das Informationsbedürfnis der urologischen Patienten und Patientinnen jeden Alters und beiderlei Geschlechts umfänglich. Befürchtungen von Ärzten, Selbstinformation könne beim Patienten übersteigerte Erwartungen wecken und das Vertrauen zum Arzt gefährden, wie sie von der aktuellen Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK fachübergreifend erhoben wurden, wirken wir damit entgegen. Denn ein seriös informierter Patient kann mit seinem Arzt vertrauensvoll und zielorientiert über seine Erkrankung und Therapieoptionen diskutieren“, so DGU-Pressesprecher Prof. Wülfing. 

Fortgesetzt wird das Informationsprogramm der Urologen mit dem traditionellen Patientenforum am 1. Oktober 2016 auf dem 68. DGU-Kongress in Leipzig, zu dem DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller bereits jetzt alle Interessierten herzlich ins Congress Center Leipzig einlädt. 

Urologen empfehlen: Die HPV-Impfung für Jungen

Düsseldorf. Humane Papillomaviren erzeugen die häufigsten übertragenen sexuellen Infektionen in Deutschland und weltweit. Neben Gebärmutterhalskrebs können sie weitere Tumoren des Anogenitale und des Oropharynx hervorrufen und sind Auslöser für Condylome. Die derzeitige von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Praxis, lediglich Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren zu impfen (Stand: August 2015), ist nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. (BDU) nicht mehr zeitgemäß. Sie berücksichtige auch nicht die vielfachen Lebenswelten sexuell aktiver Menschen in unserem Land. „Der oft angemerkte Herdenschutz durch die Impfung der Mädchen greift ja bereits dann nicht, wenn wir es mit jungen Männern zu tun haben, die Sex mit Männern haben (MSM)“, so DGU-Präsident Prof. Dr. med. Kurt Miller. Im Sinne eines umfassenden Schutzes unabhängig von der sexuellen Orientierung empfehlen DGU und BDU nun gemeinsam „Impft auch die Jungen!“.

HP-Viren sind für praktisch alle Gebärmutterhalskrebserkrankungen verantwortlich, damit auch für über 100.000 vermeidbare Konisationen und rund 3000 weibliche Todesfälle pro Jahr in Deutschland. „Ein Argument für die alleinige Impfung der Mädchen war bisher immer, auf diese Weise die HPV-Last bei sexuell aktiven jungen Frauen so stark abzusenken, dass sich die jungen Männer als Sexualpartner der geimpften Frauen ebenfalls nicht mehr anstecken können. Dieser Herdenschutz funktioniert allerdings nur, wenn über die HPV-Impfung mehr als 85 % der jungen Mädchen erfasst würden“, so Prof. Miller weiter. „Da der Penis der Haupt-Transmitter für HPV darstellt, ist der Verzicht auf die Jungenimpfung fahrlässig.“

In der Realität liegen jedoch die Impfquoten der Mädchen für die letzten Jahre mit weniger als 40 % deutlich unterhalb der erforderlichen Menge. Diejenigen, die indes einen der derzeit verfügbaren multivalenten Impfstoffe erhalten hatten, zeigen deutlich weniger Condylomata und Krebsvorstufen, wie aus deutschen, dänischen und australischen Studien hervorgeht. Ganz ähnliche Daten finden sich für geimpfte Jungen aus den USA und Australien als Vorreiter der HPV-Impfung für diese Zielgruppe.

Die HPV-Impfung ist sicher und schützt effektiv vor der Infektion mit einigen der Hochrisiko-HP-Viren. Die höchste Wirksamkeit zeigt die Impfung vor dem ersten ersten Geschlechtsverkehr, jedoch steht inzwischen fest, dass auch bei sexuell erfahrenen Erwachsenen die Folgeerkrankungen nach erfolgter Infektion wie auch die Rezidive bei bereits manifesten und behandelten Cervixkarzinomen signifikant reduziert werden. „Die international vorliegenden wissenschaftlichen Daten stützen unsere gemeinsame Empfehlung für eine HPV-Impfung bei Jungen“, sagt Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der DGU. BDU-Präsident Dr. med. Axel Schroeder ergänzt: „Mit der Jungensprechstunde beim Urologen verfügen wir inzwischen zudem über eine geeignete Versorgungsstruktur, um möglichst viele Jungen zu erreichen, sie über die HPV-Impfung aufzuklären und letztlich auch zu impfen.“

Allein stehen DGU und BDU mit ihrer gemeinsamen Impfempfehlung in Deutschland nicht: Die Sächsische Impfkommission (SIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und junge Männer mithilfe des tetravalenten Impfstoffes gegen karzinogene und warzenfördernde HP-Viren bereits seit Jahren (aktueller Stand: Januar 2016). Selbst für die kassenärztliche Abrechnung wurde im Freistaat eine Lösung gefunden: Die Impfung, da offiziell von der SIKO empfohlen, ist abrechnungsfähig bei den sächsischen Krankenkassen. Mittlerweile öffnen sich bundesweit weitere, meist kleine Krankenkassen (z. B. die Bahn-BKK) für die Erstattung der HPV-Impfung bei Jungen. Es empfiehlt sich dennoch im Einzelfall, vorab die Kostenübernahme mit der zuständigen Kasse zu klären. Seit April 2016 steht ein nonavalenter Impfstoff zur Verfügung, der gegen neun HPV-Subtypen schützt und somit noch mehr Sicherheit bietet. Die Nebenwirkungen bei inzwischen über 200 Millionen Impfungen weltweit liegen im Bereich aller anderen Impfungen. Auch die Sicherheit der Impfstoffe liegt im Bereich aller übrigen Impfwirkstoffe und damit in der eindeutig positiven Nutzen-Risiko-Relation.

Ganz aktuell wird sich das Forum zur Jungensprechstunde auf dem 68. DGU-Kongress mit sexuell übertragbaren Erkrankungen sowie dem Schutz vor HP-Viren befassen. Bereits jetzt lädt DGU-Präsident Prof. Miller die Medienvertreter herzlich ein, im Rahmen der bevorstehenden DGU-Jahrestagung vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in Leipzig an dieser Diskussion über die HPV-Impfung von Jungen teilzunehmen. So passt sich die Empfehlung „Impft auch die Jungen!“ nicht zuletzt elegant in das Kongress-Motto „Ökonomie – Medizin – Qualität“ ein.

Urologen starten Leuchtturmprojekt in der Patientenberatung::
Entscheidungshilfe Prostatakrebs jetzt online

Düsseldorf. Zuwarten, Totaloperation oder Bestrahlung? Angesichts des breiten Behandlungsspektrums beim nicht metastasierten Prostatakarzinom fällt die Therapieentscheidung häufig besonders schwer. Dennoch müssen in Deutschland etwa 60.000 betroffene Männer pro Jahr gemeinsam mit ihrem Urologen diese Entscheidung treffen – das bedeutet im Schnitt alle 9 Minuten. Nun hat die PatientenAkademie der Deutschen Urologen eine onlinebasierte interaktiv personalisierte Entscheidungshilfe für Patienten mit nicht metastasiertem Prostatakarzinom entwickelt, die Betroffene und ihre betreuenden Urologen bei der Wahl der individuell richtigen Therapie unterstützt. „Der 'Clou' unseres Angebotes liegt in der interaktiven Personalisierung nach onkologischem Risiko, Erektionsfunktion und Begleiterkrankungen. Das kann keine noch so gute Broschüre leisten!“, sagt Projektleiter PD Dr. Dr. Johannes Huber aus Dresden. 

Im deutschsprachigen Raum ist das Konzept bislang einzigartig: Dabei bietet der Urologe seinem Prostatakrebspatienten kurz nach der Erstdiagnose die Nutzung der personalisierten Entscheidungshilfe an und stellt ihm einen individuellen Zugangscode sowie acht klinische Angaben zur Verfügung. Auf Basis seiner Eingaben erhält der Patient leitliniengerechte personalisierte Informationen zu seiner Erkrankung und den Behandlungsmöglichkeiten. So kann sich der Betroffene in Ruhe zuhause mit Personen seines Vertrauens informieren. Alle Inhalte sind als patientenorientierte Erklärvideos aufbereitet. In das anschließende Arztgespräch bringt der Patient dann eine standardisierte Zusammenfassung seiner Daten mit. Dazu zählen Angaben zu Komorbidität, Erektions- und Miktionsfunktion, psychischer Belastung sowie zu subjektiven Prioritäten, von denen die individuelle Beratung zusätzlich profitiert. Für Urologen stellen diese gezielte Vorbereitung und ihre automatische Dokumentation eine Entlastung im klinischen Alltag dar. Weitere Informationen sind unter www.entscheidungshilfe-prostatakrebs.info verfügbar.

Als gemeinsame Initiative der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. hat die PatientenAkademie einen breiten Rückhalt in der deutschen Urologie. Das Projektteam war überdies interdisziplinär besetzt. Die Vorsitzende der PatientenAkademie Prof. Dr. Sabine Kliesch appelliert: „Ich möchte alle Kollegen und Kolleginnen ausdrücklich ermutigen, die ‚Entscheidungshilfe Prostatakrebs’ zu testen und sie ihren Patienten anzubieten. Dieses Leuchtturmprojekt ist ein Angebot aus urologischer Hand und transportiert ohne alltäglichen Mehraufwand die Inhalte der S3-Leitlinie Prostatakarzinom zu unseren Patienten.“ Die technische Umsetzung erfolgte durch die Firma ASD Concepts mit freundlicher Unterstützung von Takeda Pharma.

„Etwa zwei von drei Betroffenen werden unser Angebot nutzen können“, schätzt Huber. „Denn mittlerweile liegt die Internetnutzung der 70-jährigen in dieser Größenordnung. Einige weitere werden sich sicher von ihren Kindern oder Enkeln helfen lassen.“ Die Effekte der Entscheidungshilfe Prostatakrebs sollen im Verlauf wissenschaftlich evaluiert werden. Hieraus kann zusätzlich eine sehr wertvolle Versorgungsforschungsstudie entstehen. In erster Linie sollen jedoch Patienten und Urologen von dem Angebot profitieren.

Unter www.entscheidungshilfe-prostatakrebs.de können Interessierte das innovative Beratungsportal für Patienten mit nicht metastasiertem Prostatakarzinommithilfe eines Testzugangs kennenlernen.

Bewerbungsfrist endet am 31. Juli: Medienpreis Urologie 2016 mit 2500 Euro dotiert

Düsseldorf. Für Autoren läuft die Zeit: Beiträge für den Medienpreis Urologie 2016 der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) müssen bis zum 15. Juli 2016 in einem deutschsprachigen Publikumsmedium - Print, Fernsehen, Radio oder Internet - veröffentlicht worden sein. Der mit 2500 Euro dotierte Preis prämiert den Beitrag, der inhaltlich seriös und zugleich auch für Laien gut verständlich ein urologisch relevantes Thema am gelungensten vermittelt. „Die DGU fördert gute Medienberichterstattung, weil sie das Bewusstsein für die eigene Gesundheit wie auch für mögliche Krankheitssymptome schärfen und Hemmschwellen für einen Arztbesuch abbauen kann“, sagt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Überreicht wird der Medienpreis Urologie 2016 auf dem 68. DGU-Kongress, der vom 28. Sept. bis 1. Okt. 2016 in Leipzig stattfinden und den Fokus auf das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Druck und qualitativen Ansprüchen in der Urologie richten wird.

Wie schon in den beiden ersten Verleihungsjahren des DGU-Medienpreises bewertet auch diesmal eine hochkarätig besetzte Jury alle Wettbewerbsbeiträge. In dem Gremium sind medizinisch-wissenschaftliche und journalistisch-mediale Expertise gleichermaßen vertreten. Als Repräsentantin der Medien vor Ort wurde Dagmar Röse, die langjährige Leiterin des MDR-Regionalstudios Dessau, gewonnen. „Es ist eine anspruchsvolle Arbeit, medizinische Inhalte allgemeinverständlich aufzubereiten. Gerade bei vermeintlichen Tabu-Themen, zu denen Inkontinenz oder Impotenz sicher zählen, ist nicht nur sorgfältigste Recherche, sondern auch Fingerspitzengefühl in der Darstellung gefordert.  Ich bin sehr gespannt auf die Beiträge“, so die erfahrene Radiofrau. 

Das Spektrum urologisch relevanter Inhalte, die für den Medienpreis erwartet werden, ist breit gespannt: Es reicht von Entwicklungen in der Prävention, Diagnostik und Therapie urologischer Erkrankungen bei Kindern, Frauen und Männern bis hin zu Komplexen wie Nierenspende und –transplantation. Volksleiden wie Harnsteinerkrankungen und die gutartige Prostatavergrößerung, aber auch Krebserkrankungen von Prostata, Blase und Nieren stehen dabei schon aufgrund ihrer Häufigkeit im Mittelpunkt. Jungengesundheit und die HPV-Impfung für Jungen rücken aktuell in den Fokus. 

Für den Wettbewerb können alle Beiträge eingereicht werden, die zwischen dem 1. Januar und 15. Juli 2016 in einem deutschsprachigen Publikumsmedium veröffentlicht worden sind. Sie müssen mit Kontaktdaten zur Autorenschaft und Datum der Veröffentlichung oder Sendung bis 31. Juli 2016 postalisch oder online bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., Stichwort „Medienpreis 2016“, Uerdinger Str. 64, 40474 Düsseldorf, E-Mail: preise@dgu.de eingereicht werden.

68. DGU-Kongress in Leipzig: Journalisten der Fach- und Publikumspresse können sich hier akkreditieren.

10 Jahre Zweitmeinung in der Urologie:
5000 Hodentumor-Zweitmeinungen verbessern Behandlungsqualität

Düsseldorf. Fast 90 Prozent der Deutschen würden bei ernsthaften Erkrankungen eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Etwa jeder Vierte hat diese Möglichkeit bereits genutzt, und drei von vier Patienten haben daraufhin, wie Barmer GEK und Bertelsmann Stiftung jüngst repräsentativ erhoben, ihre ursprüngliche Behandlungsentscheidung geändert. Strukturierte Zweitmeinungsverfahren sind allerdings noch längst nicht etabliert – lediglich für bestimmte, planbare Eingriffe im Versorgungsstärkungsgesetz verankert. Eine Ausnahme gibt es in der Urologie: „Das Zweitmeinungsprojekt Hodentumor der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) kann 2016 auf zehn Jahre gelebte internetbasierte Zweitmeinungspraxis zurückblicken – es ist hiermit weltweit einzigartig“, sagt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Das Netzwerk der Deutschen Hodentumor Studiengruppe zählt in diesen Tagen fast 5000 Zweitmeinungs-Konsultationen und ist als Erfolgsmodell für einen systematischen Zweitmeinungsabgleich bei der Therapiefestlegung anerkannt. „Jüngste Daten zeigen eine hohe Akzeptanz und eine signifikant verbesserte Behandlungsqualität, weshalb das Projekt bereits als Modell für den Aufbau eines nationalen Zweitmeinungszentrums Peniskarzinom und eines nationalen Zweitmeinungszentrums Sarkom fungiert“, so Prof. Wülfing weiter.

Über die Internetseite „www.zm-hodentumor.de“ können Urologen anonymisiert die Daten ihrer Patienten mit einem diagnostizierten Hodentumor und ggf. die eigene Therapieplanung online an eines der 32 Zweitmeinungszentren in Deutschland und Österreich übermitteln. „Auf dieser Datengrundlage folgen in der Regel binnen 36 Stunden die Behandlungsempfehlungen der Spezialisten aus dem Netzwerk als Antwort“, so Prof. Dr. Mark Schrader, Leiter des Zweitmeinungsprojektes Hodentumor. Der Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Berlin-Buch weiter: „In 40 Prozent der Fälle unterscheiden sich Erst- und Zweitmeinung. Etwa jede 6. Zweitmeinung führte zu einer Änderung der Therapieplanung. In jedem vierten Fall konnte der Therapieumfang reduziert und damit die Lebensqualität des Patienten gesteigert werden. In vielen Fällen ist die gemeinsame Diskussion der Fälle mit Hodentumorspezialisten für die Patienten aus den unterschiedlichsten Gründen äußerst hilfreich!“ 

Hodenkrebs ist in der Regel gut heilbar und zählt mit einem Anteil von 1,6 Prozent an allen Krebserkrankungen unter Männern zu den selteneren. Das Robert Koch-Institut erwartet für 2016 etwa 4200 Neufälle. Ältere Studien hätten den Schluss nahe gelegt, dass aktuellste Therapiestandards für Hodentumor nicht flächendeckend zeitnah implementiert werden, so Prof. Dr. Schrader. Dies habe 2006 den Ausschlag für den Aufbau des Zweitmeinungsprojektes Hodentumor gegeben.

Wegen des kostenfreien und unkomplizierten Zugangs zum Zweitmeinungsnetzwerk fand die dortige Expertise rasch breite Akzeptanz. Projektleiter Prof. Dr. Schrader: „Wir erwarten, dass 2016 etwa 25 Prozent der neu diagnostizierten Fälle in dem Netzwerk vorgestellt werden.“ Er rät auch Patienten, ihren behandelnden Arzt zu bitten, eine geplante Hodentumorbehandlung mit einem der am Netzwerk beteiligten Zweitmeinungszentren abzustimmen. Das Netzwerk wird von der Deutschen Krebshilfe und der DGU unterstützt. Die Techniker Krankenkasse wird ihren Versicherten grundsätzlich die Einholung einer Zweitmeinung in dem Netzwerk bei außerbudgetärer Kostenvergütung ab Herbst 2016 ermöglichen. Zudem prüft eine der größten deutschen Automotive-Unternehmensstiftungen gegenwärtig, das Projekt finanziell zu unterstützen, mit dem Ziel, ein partizipativeres Entscheidungsverfahren zu entwickeln.

Auch für den DGU-Generalsekretär und Direktor der urologischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Rostock, Prof. Dr. Oliver Hakenberg, ist das Zweitmeinungsprojekt Hodentumor ein probater Ansatz der Urologie, die Qualität der uroonkologischen Versorgung in der Fläche zu stärken. Derzeit bauen die Urologen ihre Vorreiterrolle aus: Mit dem „Prototyp nationales Zweitmeinungszentrum Peniskarzinom“ ist ein weiteres Zweitmeinungsprojekt im Aufbau, das in Kooperation zwischen dem Studiengang „Medizininformatik“ der Fachhochschule Brandenburg und der Universität Rostock entsteht. Diese ist bereits Standort des Peniskarzinomregisters in Deutschland und bietet damit beste Voraussetzungen für ein nationales Zweitmeinungszentrum zu dieser Krebserkrankung. Prof. Hakenberg: „Unsere internetbasierten Zweitmeinungsverfahren zeigen Lösungsmöglichkeiten, die Versorgungsqualität mit begrenztem Aufwand zu verbessern und können bei der Ausgestaltung des im Versorgungsstärkungsgesetz vorgesehenen Anspruchs auf eine ärztliche Zweitmeinung als Rollenmodell dienen.“

Zahl der niedergelassenen Urologinnen und Urologen sinkt weiter:
Berufsverband der Deutschen Urologen e.V.: fachärztlich ambulante Versorgung stärken!

Berlin. Die ambulante Versorgung gerät unter Druck. Die jüngste Ärztestatistik der Bundesärztekammer (BÄK) dokumentiert auch für die Urologie das weitere Voranschreiten einer für Patienten negativen Entwicklung in der Medizin: Die Zahl der niedergelassenen Urologinnen und Urologen, die in eigener Praxis ambulant tätig sind, ist 2015 im Vergleich zu 2014 um 0,6 Prozent weiter gesunken. Parallel ist die Zahl stationär tätiger Fachärzte für Urologie, meist als Angestellte in Krankenhäusern, um 3,3 Prozent gestiegen. Nach Einschätzung des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. (BDU) wächst mit dieser Entwicklung für Patienten in der Fläche das Risiko von Engpässen in der ambulanten Versorgung. Die Krankenhäuser, die zunehmend in die ambulante Patientenversorgung drängen, könnten dies abseits der Ballungsräume nicht wohnortnah und flächendeckend gewährleisten wie die Niedergelassenen.

„Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass das Verhältnis zwischen ambulant und stationär in Schieflage gerät. Dabei ist unstrittig, dass eine gute ambulante Versorgung so manche stationäre Behandlung überflüssig macht und damit auch Kosten spart“, sagt BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. Dennoch unterstütze die Politik den Grundsatz „ambulant vor stationär“ zu wenig.

Sicher ist auch, dass der Bedarf an ambulanten ärztlichen Leistungen in den kommenden Jahren aufgrund des demografischen Wandels weiter sehr stark anwachsen wird. Diese Nachfrage nach dem Prinzip „ambulant durch stationär“ decken zu wollen, ist nach Ansicht des BDU-Präsidenten der völlig falsche Weg. Vielmehr sei dafür eine stärkere Ambulantisierung der Medizin vonnöten. Vorderste Aufgabe müsse es sein, mehr neue fachärztliche Kompetenz für die Niederlassung zu gewinnen. Damit ließe sich zugleich dem statistischen Trend einer zunehmend älteren niedergelassenen Urologenschaft begegnen.

Im Interesse der Patienten ist eine ausgeprägte ambulante fachärztliche Versorgung in Zukunft unverzichtbar. BDU-Präsident Schroeder: „Facharzt 2020 ist in der Urologie qualifizierte Operation, kompetente Uro-Onkologie mit fachspezifischer Diagnostik und konservativer Therapie, eine Spezialisierung mit Zusatzqualifikationen und weiteren Schwerpunkten. Eingebettet in regionale Netzwerke wird hierbei interdisziplinär und sektorübergreifend gearbeitet. Gleichzeitig hat die ‚work life balance’ hohen Stellenwert. Beruf und Privatleben müssen ausgewogen vereinbar sein.“  

Der BDU hält es für unerlässlich, moderne Konzepte für die fachärztliche ambulante Versorgung und ein ausgewogenes Zusammenwirken zwischen ambulantem und stationärem Bereich zu entwickeln. Am kommenden Wochenende (22./23.04.16) wird sich der Berufsverband in einer Klausur seines Hauptausschusses intensiv mit der jüngsten BÄK-Statistik und den daraus herzuleitenden Erkenntnissen und Konsequenzen auseinandersetzen.

68. Urologen-Kongress mit viel Prominenz aus dem Gesundheitswesen

Düsseldorf. Unter dem Motto „Ökonomie – Medizin – Qualität“ findet der 68. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 28. September bis 1. Oktober 2016 im Congress Center Leipzig (CCL) statt. Zu der weltweit drittgrößten urologischen Fachtagung unter der Leitung von DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller werden rund 7000 internationale Teilnehmer sowie hochrangige Akteure aus dem deutschen Gesundheitswesen erwartet.

„Die  Medizin braucht dringend Wege aus dem Dilemma zwischen Ökonomie und Qualität, und deshalb freue ich mich sehr, dass wir sowohl den Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Prof. Josef Hecken als auch den Leiter des Instituts für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG), Dr. Christof Veit, und Franz Knieps, Vorstand BKK Dachverband e.V., zu einer Round-Table-Diskussion im Eröffnungsforum in Leipzig begrüßen können“, sagt DGU-Präsident Prof. Miller, Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik Charité, Universitätsmedizin Berlin. Zahlreiche Veranstaltungen im Kontext des Kongressmottos vertiefen die Debatte. Dabei geht es um Versorgungsforschung, Evidenz, Ökonomie und Forschung, um Mindestmengen, Zentren, Risikomanagement und Fehlerkultur.

Mit insgesamt rund 100 Einzelveranstaltungen deckt die 68. DGU-Jahrestagung praxisrelevante Fortbildung sowie aktuellen Wissenschaftsaustausch in Diagnostik und Therapie auf allen Kerngebieten der Urologie ab. Neuigkeiten werden vor allem in der Uro-Onkologie mit Blick auf die Immuntherapie beim Nieren- und Blasenkrebs und die Bildgebung beim Prostatakarzinom erwartet.  Die personalisierte Präzisionsmedizin steht im Fokus eines ersten Gemeinschaftsforums der DGU mit der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. Das Forum zur Jungensprechstunde und sexuell übertragbaren Erkrankungen sowie den Schutz vor HPV-Viren reflektiert die aktuelle Diskussion über die Impfung von Jungen.

Erstmals in der Kongressgeschichte erwarten die Teilnehmer in Leipzig die Übertragung einer Live OP aus dem Unversitätsklinikum Leipzig sowie Live-Streams aus den wichtigsten Foren, die an ausgewählten Plätzen im CCL zur Verfügung stehen. 

Wichtig für die persönliche Kongressplanung: Bereits der erste Kongresstag, der 28. September, bietet ein hochkarätiges Programm mit diversen Foren unter anderen zum Nierenzellkarzinom, zur Kinderurologie und Infektiologie, zum Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom mit einem PREFERE-Update 2016 sowie zu den operativen Techniken samt Live-OP. 

Ebenfalls auf der Agenda stehen in bewährter Form ein Pflegekongress für die urologischen Assistenz- und Pflegeberufe und das gemeinsame berufspolitische Forum von DGU und Berufsverband der Deutschen Urologen. Rund 180 Unternehmen werden auf der begleitenden Industrieausstellung in Leipzig vertreten sein und innovative Medizinprodukte und -technik vorstellen. Auch 2016 würdigt die DGU verdiente Autoritäten aus der Urologie und vergibt eine Reihe wissenschaftlicher Preise. Der mit 2500 Euro dotierte Medienpreis Urologe wird zum dritten Mal verliehen.

Einmal mehr gibt die medizinische Fachgesellschaft auf ihrem Kongress mit der Aktion „Werde Urologin/Urologe für einen Tag“ Oberstufenschülerinnen und -schülern aus der Umgebung die außergewöhnliche Gelegenheit, die Welt der Medizin kennenzulernen. Außerdem sind interessierte Leipziger eingeladen, sich auf einem kostenfreien Patientenforum am 1. Oktober 2016 im CCL über urologische Erkrankungen zu informieren.

Das gesamte Kongressprogramm ist ab Juni über die Website www.dgu-kongress.de und die Kongress-App „DGU 2016“ abrufbar. Bereits jetzt lädt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing die Medienvertreter herzlich nach Leipzig ein. Die wichtigsten Pressetermine: Eröffnungs-Pressekonferenz, Donnerstag, 29.Septmber 2016, 13.00 – 14.30 Uhr; Pressegespräch, Freitag, 30. September 2016, 13.00 – 14.00 Uhr.

Journalisten der Fach- und Publikumspresse können sich hier akkreditieren.

Halten Sie Wort, Prof. Montgomery!
Berufsverband der Deutschen Urologen mahnt erneut Einsicht in GOÄ-Verhandlungen an

Düsseldorf. Nachdem das praktisch fertige Konzept einer neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) vom Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) abgelehnt worden ist, sehen Kritiker bisher bekannt gewordener Teile der GOÄ-Novelle neue Chancen für geforderte Nach- und Neuverhandlungen. Dafür bedarf es aber der vom BÄK-Präsidenten, Prof. Frank Ulrich Montgomery, Anfang März zugesagten Einsicht in die bisherigen Verhandlungsergebnisse, insbesondere in die Leistungslegenden und -bewertungen. Mit Brief vom 22. März hatte der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) gemeinsam mit den Verbänden des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa) diese Zusage angemahnt. Bis heute ist diese Forderung nicht erfüllt. „Einsicht ist nicht nur notwendig, um die Entscheidung des BÄK-Vorstandes nachvollziehen zu können. Vielmehr kann die Reform nur im fairen und offenen Dialog mit der gesamten Ärzteschaft doch noch zum Erfolg geführt werden“, so BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder.

Wiederholt hatten die Berufsverbände im Zuge der GOÄ-Verhandlungen zwischen BÄK, Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) und Beihilfe die mangelnde Informationspolitik und fehlende Transparenz seitens der BÄK bemängelt. Nur zögerlich veröffentlichte die Kammer schließlich geplante Änderungen im Paragrafenteil und in der Bundesärzteordnung. Besonders die vorgesehene Gemeinsame Kommission zur Weiterentwicklung der GOÄ (GeKo) - aus BÄK, PKV und Beihilfe – stieß hierbei auf Widerspruch der Berufsverbände. „Die GeKo konterkariert in ihrer geplanten Form die Freiberuflichkeit der ärztlichen Tätigkeit auf ganzer Linie. Hier droht ein Einfallstor für wirtschaftlich motivierte Einflüsse der Privaten Krankenversicherung. Dies stellt einen weiteren Schritt dar, die GOÄ an den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) anzunähern. Diese Entwicklung lehnen wir als Berufsverband vehement ab.“, so BDU-Präsident Schroeder.

Der BDU setzt sich für eine Anpassung und Weiterentwicklung der bestehenden GOÄ ein. Dies ist insbesondere für die Legenden und Bewertungen der Leistungen schon lange überfällig. Schroeder: „Eine angemessene sowie rechtssichere Vergütung muss gewährleistet sein, um die Ärzteschaft vor weiteren Einkommensverlusten zu bewahren. Eine an den Interessen und Bedürfnissen der Patienten orientierte ärztliche Versorgung in der Fläche ist zukünftig nur bei entsprechender Attraktivität der ärztlichen Tätigkeit sichergestellt.“

Der BDU fordert, dass der Präsident der Bundesärztekammer Wort hält und seiner Zusage von Anfang März, den Berufsverbänden die bisherigen Verhandlungsergebnisse zur Verfügung zu stellen, nun endlich Taten folgen lässt. Der BDU wird selbstverständlich auf dieser Grundlage die weiteren Verhandlungen der GOÄ-Reform mit seiner Expertise unterstützen. Eine Anhörung des SpiFa zur Prüfung der Fachgruppenkapitel ist für den 15. April geplant.

Männergesundheit beginnt beim Jungen:
Neues Fortbildungsangebot zur Jungensprechstunde in der urologischen Praxis

Düsseldorf. Mit eigens konzipierten Fortbildungsveranstaltungen für niedergelassene Urologinnen und Urologen geht die Einführung der Jungensprechstunde in der urologischen Praxis in eine neue Phase. Nach der Devise „Männergesundheit beginnt beim Jungen“ engagieren sich der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) und die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. seit Jahren für die medizinische Information männlicher Jugendlicher und die gesundheitliche Bildung von Jungen in Schulen. Parallel dazu etablieren Deutschlands Urologen die sogenannte Jungensprechstunde, um ihnen bereits in der Pubertät einen ärztlichen Ansprechpartner an die Seite zu stellen. Die ersten Fortbildungen werden ab April 2016 auf den urologischen Regionalkongressen in Münster, Augsburg, Ludwigshafen und Berlin angeboten.

„Wenn wir die Männergesundheit langfristig verbessern wollen, müssen wir schon die Jungs erreichen, ihr Gesundheitsbewusstsein schärfen und ihr Ansprechpartner werden, bevor die Angst vor dem Arztbesuch überhaupt entsteht“, sagt BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. Funktionieren werde das nur, wenn wir die Jungen nicht wie bisher nach der letzten Untersuchung beim Kinderarzt allein lassen, sondern sie dort abholen und ihnen analog zur Mädchensprechstunde die Jungensprechstunde anbieten und sie im besten Fall wie der Frauenarzt lebenslang begleiten, so BDU-Präsident Dr. Schroeder weiter.

Nachdem die Broschüre „Starke Infos für Jungen“ bereits im Umlauf und die Webseite www.jungensprechstunde.de sehr erfolgreich online ist, wird nun die strukturelle Voraussetzung geschaffen, um die urologischen Fachärztinnen und -ärzte zu qualifizieren und das neue Versorgungsangebot in den urologischen Praxen zu verankern. „Die Workshops bilden die prägenden Inhalte und die logistische Integration in die Praxis ab“, sagt BDU-Pressesprecher Dr. Wolfgang Bühmann. 

Die langjährige Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V. (ÄGGF e.V.), Dr. Gisela Gille, die über wertvolle Erfahrungen bei der Einführung der Mädchensprechstunde verfügt, sowie Marthe Kniep, Familientherapeutin und Mitglied des Dr. Sommer-Teams auf BRAVO.de , sorgen als Referentinnen, gemeinsam mit Dr. Bühmann, für den notwendigen Praxisbezug im Rahmen der Fortbildungsreihe.

Auch altersgerechte Impfungen, und dazu zählt für den Berufsverband ausdrücklich die HPV-Impfung für Jungen, stehen auf der Agenda dieser Fortbildungsreihe. Zertifizierte Impfkurse, die die Abrechnungsvoraussetzung über die Kassenärztlichen Vereinigungen ermöglichen, werden zeitnah zu den Workshops mit angeboten.

Die Termine der Workshops und Impfkurse auf den kommenden urologischen Regionalkongressen sind online unter www.bund-der-urologen.de oder auf dem Urologenportal  abrufbar. 

S3-Leitlinie Harnblasenkrebs jetzt als Konsultationfassung online - DGU erweitert Leitlinien-Angebot

Düsseldorf, 07.03.2016. S3-Leitlinien sind evidenz- und konsensbasiert und von höchster Qualität: Mit der „S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom; Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien“ bringt die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), nach den S3-Leitlinien zum Prostatakarzinom und zum Nierenzellkarzinom, nun die dritte Leitlinie höchster Klassifikation an den Start. „Wir haben mit der Analyse von über 17.000 wissenschaftlichen Arbeiten und der Erstellung von über 320 Evidenztabellen eine hohe qualitative Messlatte für zukünftige europäische und internationale Leitlinien vorgegeben“, kommentiert die Leitlinien-Koordinatorin Prof. Dr. Margitta Retz. „Damit bieten wir Ärzten und Patienten bei den wichtigsten urologischen Tumoren die bestmöglichen Entscheidungshilfen für das ärztliche Vorgehen auf Basis des aktuell verfügbaren Wissens und schaffen die Voraussetzungen, um die urologische Versorgung in der Breite zu verbessern“, sagt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg. Die finale Publikation der S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom, die im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft und der deutschen Krebshilfe unter Beteiligung von weiteren 31 medizinischen Fachgesellschaften und Patientenvertretern entsteht, wird im Sommer dieses Jahres erwartet. Die Leitlinie ist als Konsultationsfassung erhältlich unter

http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Harnblasenkarzinom.92.0.html

Kommentare und Korrekturen können an das S3-Leitlinien-Sekretariat LLBCA@MeckEvidence.de gesendet werden.

Die Bedeutung der neuen Leitlinie ist hoch: Blasenkrebs ist mit rund 28. 000 Neuerkrankungen (inkl. in-situ Tumoren und Neubildungen unsicheren oder unbekannten Verhaltens) pro Jahr die zweithäufigste urologische Tumorerkrankung, deren Bedeutung angesichts eines mittleren Erkrankungsalters von 73 (Männer) bzw. 75 (Frauen) Jahren im Zuge der demografischen Entwicklung weiter zunehmen wird. Vor diesem Hintergrund und aufgrund immer differenzierterer diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen erweitere die Erarbeitung einer ersten S3-Leitlinie für das Harnblasenkarzinom das Leitlinien-Angebot der DGU maßgeblich, so die beiden Leitlinien-Koordinatoren der urologischen Fachgesellschaft, Prof. Dr. Margitta Retz und Prof. Dr. Jürgen E. Gschwend. Beide ermöglichten der medizinischen Öffentlichkeit auf dem 32. Deutschen Krebskongress Ende Februar 2015 erste Einblicke in die Konsultationsfassung. Dabei war den Berichten der einzelnen Arbeitsgruppen unter anderem die konsensbasierte Empfehlung zu entnehmen, bei der epidemiologischen Erfassung alle Tumorstadien, insbesondere auch die nicht-muskelinvasiven Blasenkarzinome und das Carcinoma in situ zu dokumentieren. Weiter wird die neue Leitlinie demnach aufgrund gesicherter beruflich bedingter Expositionen für ein erhöhtes Harnblasenrisiko ebenfalls empfehlen, bei Patienten mit Blasenkarzinom eine Berufsanamnese zu erheben. „Hinsichtlich des vieldiskutierten Screenings zur Früherkennung erteilt die S3-Leitlinie eine klare Absage an die am Markt befindlichen Schnelltests“, kommentiert Prof. Dr. Margitta Retz. Neben der Früherkennung, Diagnostik und Therapie der verschiedenen Stadien des Harnblasenkarzinoms wird die Leitlinie gezielt Fragen der Lebensqualität, der Rehabilitation und der Nachsorge berücksichtigen.

„Auch für diese S3-Leitline der DGU wird nach deren Publikation eine Patientenleitlinie erstellt werden, welche die ärztliche Leitlinie in eine laienverständliche Sprache übersetzt und die Patientenkompetenz stärkt, damit Betroffene nicht zuletzt bei der schwierigen Frage des Blasenerhalts oder der Blasenentfernung informierte Entscheidungen treffen können“, sagt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Die Veröffentlichung der konsentierten ärztlichen Leitlinie sei für Sommer 2016 geplant und werde den Urologinnen und Urologen auf dem 68. DGU-Kongress vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in Leipzig vorgestellt, so Prof. Wülfing weiter.

Fortschritte im Kampf gegen Nieren- und Blasenkrebs:
Urologen erwarten in Kürze neuen Therapieansatz in der Immunonkologie

Düsseldorf. Eine Tumorerkrankung mit dem eigenen Immunsystem angreifen? Genau dieser Mechanismus wird durch verschiedene neue Substanzen aus dem Bereich der „Immunonkologie“ verfolgt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Therapieansätzen, wie der Chemotherapie, bei denen der Tumor direktes Ziel des Wirkstoffes ist, funktionieren die Immunonkologika über eine verstärkte Immunantwort und die daraus resultierende anti-tumoröse Wirkung der körpereigenen Abwehr. „Dieser Mechanismus greift auch bei urologischen Tumoren und wird die Therapievielfalt beim metastasierten Nierenzellkarzinom und beim metastasierten Harnblasenkarzinom in Kürze erweitern“, sagt Prof. Dr. Christian Wülfing, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) angesichts der bevorstehenden Zulassung neuer Wirkstoffe in der uroonkologischen Immuntherapie. Jährlich erkranken laut Statistik des Robert Koch-Instituts in Deutschland rund 15 000 Männer und Frauen neu an Nierenkrebs und etwa 29 000 an Blasenkrebs.

Schlüssel für den Fortschritt im Kampf gegen Krebs sind die „T-Zellen“. Prof. Wülfing: „Die körpereigenen zytotoxischen T-Zellen, die in der Lage sind, körperfremde Zellen – auch Tumorzellen – zu erkennen und zu zerstören, werden durch ein komplexes Zusammenspiel bestimmter aktivierender und hemmender Signale gesteuert. Diese sogenannten Immun-Checkpoints steuern die Zerstörung von fremden Zellen, verhindern dabei aber eine dauerhafte Immunantwort und somit eine Schädigung gesunden Gewebes. Die wichtigsten Regulatoren in diesem Zusammenspiel sind die PD-1-/PD-L1- und die CTLA-4 Signalwege, die in den letzten Jahren in den Fokus der pharmakologisch-onkologischen Forschung kamen.“ Verschiedene neue Wirkstoffe, die diese Signalwege anzielen, konnten synthetisiert und in klinische Studien eingebracht werden. 

Zwei dieser neuen Substanzen zeigen in aktuellen Studien ein deutlich verlängertes Überleben für Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom (mNZK) und für Patienten mit metastasiertem Harnblasenkarzinom. Der Wirkstoff Nivolumab wurde in einer randomisierten Phase-III Studie zur Zweitlinientherapie des mNZK (Nivolumab versus Everolimus in Advanced Renal-Cell Carcinoma, Robert J. Motzer et al.) getestet. Insgesamt 821 Patienten wurden in den Nivolumab- oder Everolimus-Therapiearm randomisiert. Es fand sich ein Gesamtüberleben von 25,0 versus 19,6 Monaten, was einer 23%igen Verringerung des Sterberisikos entsprach. 
Beim metastasierten Harnblasenkarzinom wurde die Substanz Atezolizumab in einer Phase-II Studie getestet, die zuletzt im Januar 2016 in San Francisco vorgestellt wurde (IMvigor 210, a phase II trial of atezolizumab (MPDL3280A) in platinum-treated locally advanced or metastatic urothelial carcinoma (mUC)). Hier konnten 310 Patienten eingeschlossen und im Sinne einer Zweitlinientherapie nach Cisplatin-Therapieversagen behandelt werden. Abhängig von der PD-L1-Expression im Tumorgewebe konnte ein objektives Ansprechen in bis zu 26% und ein Überleben von bis zu 11.4 Monaten erzielt werden. 

„Erfreulicherweise gingen die Behandlungen mit diesen innovativen Substanzen insgesamt mit einem sehr günstigen Toxizitätsprofil einher“, sagt der DGU-Pressesprecher. So scheinen die Wirkstoffe nur sehr selten höhergradige Nebenwirkungen auszulösen. Selten scheint auch mit immunvermittelten Nebenwirkungen wie Durchfall und Bauchkrämpfen oder Störungen der Hormonproduktion und -regulation zu rechnen zu sein, deren Behandlung, laut Prof. Wülfing, geschult erfolgen müsse. 

Während Atezolizumab zunächst in einem klinischen Studienprogramm weiter verfolgt und derzeit in einer Phase-III Studie zur unterstützenden Therapie nach Entfernung der Harnblase (adjuvante Therapie) getestet wird, ist der klinische Einsatz von Nivolumab zur Immuntherapie beim metastasierten Nierenzellkarzinom in Deutschland in Kürze zu erwarten. Prof. Wülfing: „Nachdem die amerikanische Zulassungsbehörde FDA aufgrund der dargestellten Studienergebnisse Nivolumab Ende 2015 die Marktfreigabe für die Indikation fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom erteilt hat, ist in den nächsten Monaten mit der europäischen Zulassung zu rechnen.“ Ein wichtiger Schritt dahin ist getan: Aktuell hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die Indikationserweiterung empfohlen. Die Empfehlung wird nun von der Europäischen Kommission, die über die Zulassung von Arzneimitteln in den Mitgliedsstaaten entscheidet, geprüft. Nivolumab ist bereits bei metastasiertem Lungen- und Hautkrebs zugelassen.

„Im nächsten Schritt geht es um die Frage nach der besten Therapiesequenz in der Uroonkologie, das heißt der individuell optimalen Anwendung des neuen Wirkstoffs“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Kurt Miller und verweist auf den 68. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in Leipzig, wo die Immuntherapie des mNZK zu den vielversprechendsten wissenschaftlichen Themen zählt.

DGU-Präsident im Interview:
68. Urologen-Kongress thematisiert Dilemma zwischen Ökonomie und Qualität

Auf dem 68. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) rückt DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller den wachsenden Konflikt zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin in den Mittelpunkt. Mit Blick auf die junge Urologen-Generation strebt er mithilfe der sozialen Medien außerdem eine Demokratisierung der Kongressplanung an. Mit der DGU-Pressestelle sprach der Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik Charité, Universitätsmedizin Berlin, über Neues auf der weltweit drittgrößten urologischen Fachtagung vom 28. September bis 1. Oktober 2016 im Congress Center Leipzig und über die Ziele seiner Präsidentschaft.

Herr Prof. Miller, mit welcher Intention haben Sie den ökonomischen Druck in der Medizin als Ihr Kongressmotto ausgewählt?

Der Konflikt zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin bestimmt nahezu  jeden Tag unseres Berufslebens. Überspitzt formuliert, reden wir derzeit mehr über Deckungsbeiträge als über Komplikationsraten. Tatsächlich hat sich die Art des ökonomischen Denkens in den Krankenhäusern verändert. Anders als erwartet hat die Einführung des DRG-Systems 2002 die Anzahl der Krankenhäuser nicht reguliert, vielmehr geben die Klinikleitungen den ökonomischen Druck an den ärztlichen und pflegerischen Bereich weiter und versuchen, mit möglichst wenig Ressourcen möglichst viel zu machen. In der Folge geraten alle Bereiche der Medizin in ein wachsendes Dilemma zwischen ökonomischem Druck und qualitativem Anspruch. Phänomene wie der sogenannte Transplantationsskandal sind letztlich u.a. diesem Druck geschuldet und ein deutliches Warnsignal.

Inwieweit ist die Urologie von diesem Konflikt betroffen?

Das Problem ist nicht urologiespezifisch, sondern betrifft generell alle Bereiche der Medizin. Aber natürlich sind im Besonderen die operativen Fächer betroffen und nicht vor der Verlockung der Indikationsausweitung gefeit. In der Urologie lässt sich bei kritischer Betrachtung die Problematik ausmachen, welche Prostatakarzinome behandelt und welche nur überwacht werden müssen. Das Risiko der Indikationsausweitung wird jedoch in anderen operativen Fächer wie etwa in der Orthopädie größer gesehen als in unserem Fach. 

Welcher Weg führt aus dem Dilemma?

Die Politik hat die falschen Belohnungsanreize inzwischen erkannt und rückt mit der Gründung des Instituts für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) 2015 die Qualität in den Fokus. Qualität abzubilden und im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes die Möglichkeiten leistungsorientierter Vergütung aufgrund dargestellter Exzellenz zu nutzen, sehe ich als wichtigen Schritt aus der derzeitigen Misere.

Als Vertreter der Urologie müssen wir darauf reagieren. Unsere Aufgabe ist es jetzt, Qualität und damit Kompetenz für unser Fachgebiet z.B. im Rahmen der Versorgungsforschung zu evaluieren und gegenüber konkurrierenden Fächern zu demonstrieren. Dafür will ich die Kolleginnen und Kollegen an der Basis in meiner Amtszeit sensibilisieren und auf unserer Jahrestagung entsprechende Diskussionen anregen. Ich freue mich sehr, dass wir diese Diskussion mit zwei wichtigen politischen Mitspielern führen können und in Leipzig den G-BA-Vorsitzenden, Prof. Josef Hecken, und den Leiter des IQTIG, Dr. Christof Veit, begrüßen werden können.

Erwarten Sie auf dem 68. DGU-Kongress neue wissenschaftliche Erkenntnisse bzw. patientenrelevante Neuerungen?

Heiße Favoriten für Neuigkeiten sind die Immuntherapie bei den Tumoren der Niere und der Harnblase sowie die Bildgebung beim Prostatakarzinom. Sicher wird es auf dem Kongress auch ein Forum zur neuen S3-Leitlinie zum Blasenkarzinom geben, die bis dahin publiziert sein wird.

Im Vorfeld Ihres Kongresses setzen Sie stark auf den Einsatz sozialer Medien: Wollen Sie mit den Online-Anstrengungen der DGU mehr als einen Trend bedienen?

Ja, viel mehr! Zum einen können wir es mithilfe der sozialen Medien schaffen, das Wir-Gefühl in der urologischen Gemeinde zu stärken und dabei gerade die jungen internetaffinen Urologinnen und Urologen mit ins Boot zu holen. Gleichzeitig, und das ist mir ein wichtiges Anliegen, haben wir online die Chance, die Kongressentwicklung zu demokratisieren. Wir können Teilhabe ermöglichen und alte Strukturen verändern. Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele Kolleginnen und Kollegen auf diesem Wege im Vorfeld des Kongresses einbringen und mit uns die laufende Programmentwicklung, die online verfolgt werden kann, diskutieren und eigene Ideen einbringen.

Was erwartet die Besucher 2016 in Leipzig? Planen Sie organisatorische Veränderungen oder neue Veranstaltungsformate auf Ihrem Kongress?

Ganz neu wird es in diesem Jahr einen speziellen „Praxis-Pfad“ auf dem Kongress geben, in dem wir drei bis vier Sitzungen von Niedergelassenen für Niedergelassene anbieten. Die Inhalte richten sich nach ganz konkreten Interessen der Basis, die von zwei niedergelassenen Kollegen in der Programmkommission eruiert werden. Erstmals werden wir auch Livestreams aus den meisten Foren haben, die den Besuchern über die DGU-Kongress-App ubiquitär und an bestimmten Stellen im Congress Center Leipzig zur Verfügung stehen. Am Mittwoch werden wir außerdem – soweit mir bekannt ist erstmals – eine Live-Op Übertragung anbieten.

Das Amt des DGU- und Kongresspräsidenten fordert bekanntlich ganzen Einsatz: Was treibt Sie persönlich an?

Mein persönlicher Motivator ist der Wille, Dinge zu verbessern, Veränderungen und Neues auf den Weg zu bringen, um das Ganze in Bewegung zu halten. Als DGU-Präsident heißt das, unsere Urologie auf die aktuellen Herausforderungen einzustellen. Dafür arbeite ich derzeit gerne sieben Tage in der Woche – schließlich übernimmt man Amt und Kongressorganisation aus freien Stücken.

 

Weitere Informationen:

DGU-Kongress-Pressestelle
Bettina-C. Wahlers
Sabine M. Glimm
Stremelkamp 17 
21149 Hamburg
Tel.: 040 - 79 14 05 60 
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de
Internet: www.urologenportal.de
www.dgu-kongress.de

 

Bester Publikums-Beitrag gesucht:
DGU schreibt Medienpreis Urologie 2016 aus

Düsseldorf. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) fördert die qualifizierte Berichterstattung über urologische Erkrankungen in der Publikumspresse weiter: „Kaum ein anderes medizinisches Fachgebiet ist stärker mit schambesetzten Erkrankungen konfrontiert als die Urologie. Umso wichtiger ist es, dass sachlich-seriöse Aufklärung zum Beispiel auch über vermeintliche Tabus wie Harninkontinenz, sexuell übertragbare Erkrankungen oder Impotenz ihren Weg in die Medien findet“, sagt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Vor diesem Hintergrund liegt die Messlatte für den Medienpreis Urologie 2016 hoch, den die DGU für die gelungenste journalistische Aufbereitung eines urologisch relevanten Themas verleihen wird.

Das Spektrum urologisch bedeutsamer Themen ist breit gefächert: Es beschränkt sich nicht auf die Darstellung aktueller Entwicklungen in der Prävention, Diagnostik und Therapie urologischer Erkrankungen bei Kindern, Frauen und Männern. „Ebenso gehören Komplexe wie die Nierenspende, aber auch Fort- und Weiterbildung dazu. Gleichermaßen ist das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Druck und qualitativen Ansprüchen in der Medizin ein Thema, da es das Leitmotiv des 68. DGU-Kongresses in Leipzig bildet“, so DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller.

Für den Wettbewerb um den DGU-Medienpreis 2016 können alle Beiträge eingereicht werden, die mit einer Veröffentlichung in einem deutschsprachigen Publikumsmedium im Bereich Druck, Fernsehen, Radio oder Internet zwischen dem 1. Januar und dem 15. Juli 2016 ein urologisch relevantes Thema auch für Laien verständlich dargestellt haben. Alle Arbeiten werden von einer Jury aus Urologen und erfahrenen Journalisten bezüglich der Qualität von Recherche und medialer Aufbereitung bewertet. Überreicht wird der mit 2500 Euro dotierte Medienpreis Urologie im Rahmen des 68. DGU-Kongresses, der vom 28.9. bis 1.10.2016 im Congress Center Leipzig stattfinden wird. [nbsp

Die DGU vergibt ihren Medienpreis für herausragende journalistische Arbeit über ein urologisches Thema bereits im dritten Jahr. Preisträger 2015 war der Autor und Regisseur Alexander Czogalla aus Hamburg mit seiner 45-minütigen Dokumentation Impotenz - Die Angst der Männer für das NDR-Fernsehen.

Wettbewerbsbeiträge müssen bis zum 31. Juli 2016 samt Kontaktdaten des Autors oder der Autorin sowie des Datums der Veröffentlichung oder Sendung schriftlich - postalisch oder online - übermittelt werden an: Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V., Stichwort „Medienpreis Urologie 2016“, Uerdinger Str. 64, 40474 Düsseldorf, E-Mail: info@dgu.de

Urologen setzen auf Facebook und Twitter:
Neuerungen auf der Homepage des DGU-Kongresses

Düsseldorf. Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) ist weltweit die drittgrößte wissenschaftliche Veranstaltung dieses Fachgebietes. Dass sie alljährlich über 7000 Teilnehmer von allen Kontinenten anzieht, unterstreicht den hohen fachlichen Stellenwert der Tagung. Auf einer eigenen Kongress-Homepage wird kontinuierlich über Schwerpunkte des kommenden Kongresses, über Stand und Planung des Programms, über Referenten und über auszulobende Preise informiert. Der amtierende DGU- und Kongresspräsident, Prof. Dr. Kurt Miller, geht jetzt noch einen Schritt weiter: „Nicht nur die Kongressvorbereitungen sollen zentrale Elemente unserer Nachrichten sein. Vielmehr wollen wir auch rund um das Kongressmotto über aktuelle Entwicklungen zum Spannungsfeld der Medizin zwischen Ökonomie und Qualität informieren.“ Dazu setzt der Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum der Charité in Berlin besonders auch auf Social Media, speziell Facebook und Twitter, sowie auf einen Newsletter der Kongress-Website.    

So wird auf der jüngst überarbeiteten Homepage unter www.dgu-kongress.de bereits jetzt über die Organisation des 68. DGU-Kongresses, der vom 28.09. bis 01.10.2016 in Leipzig stattfinden wird, informiert. Zur interaktiven Auseinandersetzung mit den Themen und Planungen wird parallel auf Facebook (https://de-de.facebook.com/dgukongress) eingeladen. Auch über den Kurznachrichtendienst der Echtzeit-Kommunikationsplattform Twitter (https://twitter.com/dgukongress) ist der Austausch über aktuelle Entwicklungen im Umfeld des Urologenkongresses unter dem Hashtag #dgu16 möglich und erwünscht.

Der neue Newsletter der DGU-Kongress-Homepage, den sich alle Interessierten zusenden lassen können, beschränkt sich inhaltlich nicht nur auf die Vorbereitung des kommenden Kongresses, sondern er greift auch aktuelle Themen und Diskussionen der Urologie auf. Sie werden, bei Bedarf mit Hintergrundinformationen ergänzt, übersichtlich zusammengefasst. Die Urologie unterstreicht mit diesen Neuerungen ihr kommunikatives Selbstverständnis. Prof. Miller: „Ideen und Innovationen entstehen durch Austausch und Kommunikation.“

Urologen nehmen Stellung zu AOK-Klinikvergleich:
Routinedaten methodisch nicht zur Qualitätssicherung geeignet

Düsseldorf. Der Ende Oktober veröffentlichte AOK-Klinikvergleich zu Prostataoperationen bedarf aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) einer kritischen Auseinandersetzung: Die DGU begrüßt grundsätzlich alle Bemühungen um eine transparente Darstellung von Qualitätsparametern in der Medizin, die zur Verbesserung der Ergebnisqualität für die betroffenen Patientinnen und Patienten führen. Die vom AOK Bundesverband veröffentlichten QSR-Daten (Qualitätssicherung mit Routinedaten) zu Prostataoperationen müssen hinsichtlich der methodischen Details, der ausgewerteten Komplikationsarten und der daraus möglichen Schlussfolgerungen jedoch deutlich differenzierter betrachtet werden, um Patienten vor Fehlinterpretationen und falschen Entscheidungen für oder gegen eine Klinik zu bewahren.

„So existieren für die Operationen der gutartigen, wie auch der bösartigen Prostataveränderung jeweils sehr verschiedene Operationstechniken. Die von der AOK publizierte Qualitätsauswertung unterscheidet jedoch nicht nach minimal-invasiven oder offenen OP-Techniken und dabei auch nicht zwischen den jeweils völlig verschiedenen Verfahren“, stellt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg fest. „Die verschiedenen Operationsmethoden gehen aber mit unterschiedlichen Folgen einher, die nicht notwendigerweise als Komplikationen gewertet werden müssen.“
Ein Beispiel hierfür ist die Transfusionsrate: Diese ist bei der radikalen Prostatektomie abhängig vom Operationsverfahren durchaus unterschiedlich, ohne dass hiervon das onkologische oder funktionelle Ergebnis beeinflusst wird. Ebenso ist bekannt, dass ein nerverhaltendes operatives Verfahren, welches dem Erhalt der Erektionsfähigkeit dient, mit einem höheren Blutverlust einhergeht als ein nicht nerverhaltendes Operationsverfahren. „Die wissenschaftlich anerkannten Ergebnisqualitätsparameter Kontinenz- und Potenzerhalt werden in dem hier publizierten Verfahren nicht berücksichtigt, da sie mit der Methodik nicht erfassbar sind“, so der Generalsekretär.

Als weitere Komplikationsart nennt der AOK-Klinikvergleich die Reintervention. „Die hier berichteten Unterschiede in den Prozentzahlen lassen nur sehr eingeschränkt den Schluss zu, dass dies auch mit Qualitätsunterschieden einhergeht, denn eine Reintervention kann durchaus auch zur Verhinderung einer größeren Komplikation notwendig werden und würde in einem solchen Fall zu Unrecht als stattgehabte Komplikation gerechnet“, führt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing an.

Auch bestehen bei den analysierten Kliniken erhebliche Unterschiede in der Fallzahl. Prof. Wülfing: „Ob eine erhöhte Fallzahl auch mit einer erniedrigten Komplikationsrate und damit mit einer höheren Qualität einhergeht, bleibt dabei aber spekulativ. Die Unterschiede in den strukturellen Gegebenheiten, den Patientenkollektiven und ihren Komorbiditäten und nicht zuletzt auch in der Kodierqualität der verschlüsselten Daten sind ein systemimmanentes und ungelöstes Problem. All diese Faktoren können zur erheblichen Verfälschungen der Qualitätsdaten und damit zu fehlerhaften Schlussfolgerungen führen.“

Außerdem gibt die DGU ein grundsätzliches Problem des AOK-Klinikvergleichs zu bedenken. „Hier werden aus dem Instrument ‚Abrechnungsdatenerhebung‘ Informationen über Komplikationen extrahiert. Das Instrument der Kodierung von DRGs und OPS-Codes (Operationen- und Prozedurenschlüssel) wurde aber ausschließlich zur Abrechnungserhebung entworfen. Es ist methodisch deshalb eigentlich völlig unzulässig, daraus qualitätssichernde Komplikationsdaten ableiten zu wollen“, sagt Prof. Dr. Kurt Miller, Präsident der DGU. Dafür gebe es andere und wesentlich bessere Instrumente, die aber für die Zwecke der Abrechnung mit den Kostenträgern nicht angewendet werden. „Bei der Abrechnungserhebung kann nur sehr unvollständig und indirekt ein Teilaspekt von komplikativen Verläufen eingesehen werden. Es fehlt zum Beispiel jegliche Gradierung von Komplikationen nach Schweregrad. Auch können Komplikationen ohne Betrachtung der Komorbidität überhaupt nicht sinnvoll interpretiert werden“, so Prof. Miller weiter. Die von der AOK publizierten QSR-Daten können daher nur ein falsches Bild ergeben, wenn eine qualitätsorientierte Komplikationsanalyse angestrebt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. plädiert deshalb für eine Weiterentwicklung der zur Verfügung stehenden Qualitätsinstrumente und eine differenzierte Betrachtung der für den Patienten relevanten Ergebnisqualitätsparameter.

Presse
Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie diese Webseite verwenden, stimmen Sie der Verwendung zu. Weiterlesen …